Wie man seinem Kind das Sprechen beibringt
Sprechen beibringen? Das klingt schwierig. Kann es aber eigentlich gar nicht sein, schließlich stammen wir aus einer langen Reihe von Leuten, die alle irgendwie mit dieser Kinder-Sache und dem Sprechenlernen klargekommen sind. Das ist ein tröstlicher Gedanke, an den man sich in kritischen Situationen klammern kann…
Die ersten 12 Monate: Baby talk
“Hei-tei-tei, wen haben wir denn da?”
“Guzzi-guzzi, wo ist denn das Mäuschen?”
Dazu noch eine höhere Tonlage, ein leicht lallender Sing-Sang. Ja, das lässt sich in allen Sprachen und Kulturkreisen beobachten. Für das kleine Kind ist die ständige Wiederholung und das Gewöhnen an die Intonation toll. Es merkt, wie sich Sätze anhören, es fühlt sich angesprochen, und es kann durch seine Reaktionen sogar beeinflussen, was der Gesprächspartner sagt. Nämlich noch einmal “Kuckuck?-Daaaa”, wenn es lacht. Das Kind lernt, Stimmen von anderen Geräuschen zu trennen, und kann schon nach vier Monaten gut genug Lippenlesen, um zwischen unterschiedlichen Sprachen zu unterscheiden.
Das zweite Jahr: Scaffolding
Gerüstbau. Das Allerwichtigste beim Lernen ist es, dem Lerner eine Stütze zu sein, ohne ihn festzuhalten. Das gilt auch beim Sprechenlernen, und auch das machen Eltern sofort richtig:
“Mamm-mamm” – “Ja, das schmeckt dir. Hmmm-mamm-mamm.”
“Blooo” – “Du magst ein Broooooot? Hier, schau.”
Auch das Zeigen von Neuem machen wir alle gleich.
- Wir checken kurz ab, ob das Kind aufnahmefähig ist. Das erkennen wir an Gestik und Mimik, da sind wir schon gut drin, immerhin haben wir im ersten Jahr stundenlang unser Kind angesehen.
- Wir fordern die Aufmerksamkeit ein: “Schau mal.”
- Wir binden das Kind ein: “Na, was ist denn das?”
- Wir lassen eine geduldige Pause. Wirklich. Fast schon so lange, wie Jauch seinen Kandidaten lässt.
- Wir lösen auf: “Der Teddy ist das.”
- Wir wiederholen es, denn wiederholen hilft. Vielleicht mit einem Nicken dabei: “Jaaa, der Teddy.”
Das dritte Jahr: Feintuning
Das Kind kann jetzt schon einen Haufen Wörter, aber die Grammatik ist die nächste Hürde. Klar, wir reden in einfachen Sätzen mit dem Kind. Aber wir unterstützen es auch weiter:
“Ball ist in die Kiste” – “Ja, der Ball ist in der Kiste.” Wir sind Sprachmodell für unser Kind, wir bringen ihm Grammatik bei. Und das, ohne vorher ein Ratgeberbuch zum Spracherwerb gelesen zu haben.
Magie.
Quellen:
Dr. Gerolf Renner, “Testbesprechung AWST-R. Aktiver Wortschatztest” in Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 38, http://www.testzentrale.de/programm/media/catalog/Test/0403801_p.pdf
Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Doris Wittstadt: “Frühe Sprachentwicklung”, http://www.landkreis-wuerzburg.de/PDF/ZW_Fr%C3%BChe_Sprachentwicklung.PDF?ObjSvrID=1755&ObjID=1583&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1329404714
W. v. Suchodoletz, S. Kademann & S. Tippelt: “SBE3-KT-Handbuch”, http://www.kjp.med.uni-muenchen.de/download/SBE-3-KT_Handbuch.pdf
Ähnliche Artikel:
