„Was willst du?“ – Warum unser Kleinkind sich nicht frei entscheiden darf

Eigentlich ist es schön, die Kinder mit einzubeziehen, ihnen die Wahl zu lassen und ihre Entscheidung zu akzeptieren. Eigentlich hatte ich mir auch fest vorgenommen, das so zu machen. Immerhin möchte ich, dass mein Kind selbständig Entscheidungen treffen kann und sich respektiert fühlt.

Die Frage „Was willst du?“ habe ich mir trotzdem abgewöhnt. Und auch die Sache mit der freien Wahl.

Wahl ja, aber sicherlich nicht frei.

Das führt sonst zu absonderlichen Auswüchsen, die nur das Kind gut findet.

Beispielsweise wenn es um die Kleiderwahl geht. Bei Regen und niedrigen Temperaturen ein dünnes Röckchen und Ballerina-Schuhe, dazu ein farblich absolut unpassendes Oberteil – was mir dann wieder egal wäre – und ein Paar kurze Söckchen zur kindlichen Gänsehaut.

Nein, da haben wir die freie Wahl schnell wieder abgeschafft. Ditte darf sich entscheiden, aber zwischen den Kleidungsstücken aus meiner Vorauswahl. Dadurch lässt sich die Gänsehaut und die langwierige Diskussion, ob heute ein Rocktag ist, vermeiden.

Manchmal darf sie auch den Pulli selbst aussuchen. Die anderen Kleidungsstücke muss sie aber dann ohne Beschwerde anziehen. Das klappt auch gut, und ich kann damit leben, dass sie ihre eigene Vorstellung davon hat, welche Farben genau zusammen passen.

Als erstes haben wir  die freie Wahl beim Essen abgeschafft, denn da hat sie am meisten gestört. Den Familienfrieden.

Denn die Frage „Was willst du zum Abendessen?“ hat sie regelmäßig mit „Gummibärchen“ beantwortet. Gummibärchen gibt es bei uns aber nicht zum Abendessen.

Punkt. Aus. Basta.

Leider war Ditte da nicht so einsichtig, und wir haben einige Male lange Streitgespräche darüber geführt, warum es keine Gummibärchen zum Abendessen gibt, obwohl die doch so lecker schmecken. Gegenüber Argumenten, die die Inhaltsstoffe von Gummibärchen und den Nährstoffbedarf von Kleinkindern betrafen, war sie generell nicht besonders aufgeschlossen.

Und um eben diese Diskussion nicht mehr führen zu müssen, bekommt sie zum Abendessen und zum Frühstück eingeschränkte Wahlmöglichkeiten.

„Willst du Brot, Joghurt oder Müsli.“

Das reicht als Auswahlmöglichkeit völlig. Ditte ist zufrieden und wir ersparen uns das „Ich will aber Gummibärchen“-Gespräch.

Auch beim Kleidungskauf verzichten wir auf die Frage „Was willst du?“.

Denn wenn es nach Dittes Willen ginge, hätten wir den ganzen Schrank voll mit rosa-weißen Rüschenkleidchen, rosa Ballettröckchen und anderen rosaroten Scheußlichkeiten – ja, hier bricht wieder meine Abneigung gegen rosa durch – , aber nichts, womit man ein Kleinkind vollständig bekleidet bei frühlingshaften Temperaturen auf die Straße schicken könnte.

Meist suche ich drei Teile aus, aus denen sie dann auswählen darf. So kann ich unnötiges Rosa vermeiden und stelle gleichzeitig sicher, dass wir die Kleidungsstücke kaufen, die wir brauchen. Nicht den blumigen Tutu statt des dringend benötigten Sonnenhuts. Wobei ich zugeben muss, dass der Sonnenhut ein wenig rosa geworden ist. Es gab keine anderen, und Ditte war davon so begeistert, dass sie ihn seither jeden Tag trägt. Mangels Sonne als Regenhut.

Aber manchmal rutscht mir die leidige Frage dann doch heraus.

Gestern erst wieder.

Von der Entsorgung einer Kiste sind zwei Holzrahmen mit weißen Platten dazwischen übrig geblieben. Perfekt zum Bemalen. Schnell haben wir entschieden, dass sie eine bemalt und ich die andere.

Und dann beging ich den fatalen Fehler: „Was soll ich denn drauf malen?“

Ich habe mich gefügt und das gewünschte Motiv gemalt. Selber schuld, wieso lasse ich ihr auch die Wahl.

Ach ja, das Ergebnis – war ja zu erwarten!

Ähnliche Artikel:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

CommentLuv