Endlich angekommen…

Unser erster Urlaubstag beginnt mit einer Beschwerde: Ditte will endlich weit weg fahren.
Währenddessen ziehen draußen Obstbäume und Wiesen vorbei, gelegentlich ein paar Zypressen und grasende Ziegen. Eine Lautsprecheransage kündigt an, dass wir bald Treviso erreichen werden. Reisen im Schlaf gilt also irgendwie nicht als richtiges Reisen, zumindest nicht bei Ditte.
Die Zugbegleiterin bringt uns Frühstück. Als wir die Brücke nach Vendig passieren sind wir fertig, die Koffer gepackt und wir stehen am Fenster. Ditte lässt sich immer noch nicht davon überzeugen, dass wir weit weg von zu Hause sind.
Am Bahnhof geben wir unsere Koffer ab. Fünf Euro pro Stück wollen die Herren dort haben, was mir zunächst recht teuer erscheint. Rückblickend muss ich sagen, dass ich das wieder genauso machen würde. Denn wir sind in Venedig, nur mit Handgepäck beladen, haben gefrühstückt und manche von uns auch geschlafen, und es ist noch vor neun Uhr.

Hallo Urlaub! Ciao Venezia!

Wir haben zwar einen Stadtplan dabei, den lassen wir aber in der Tasche, denn wir haben Zeit, kein festes Programm und den Markusplatz werden wir schon irgendwann finden. Venedig schläft noch, auch die meisten Touristen, die Gassen sind fast menschenleer und noch nicht einmal die Gondoliere sind auf den Kanälen unterwegs. Weil Sonntag ist, bleiben auch die meisten Einheimischen erst einmal zu Hause.
Sich ohne Stadtplan in Venedig zurecht zu finden, ist gar nicht so leicht, denn durch die vielen Kanäle, Brücken und Sackgassen ändert sich die Richtung, in die man unterwegs ist, praktisch an jeder Ecke. Ditte marschiert zuerst selbst, lässt sich später in der Kraxe tragen. In der Nähe der Rialto-Brücke werden die Gassen voller. Touristen stehen staunend auf der Brücke, knipsen Fotos und die Andenkenläden öffnen ihre Türen.
Die bunten Figuren aus Murano-Glas, die in vielen Läden verkauft werden, begeistern Ditte ebenso wie die Auslagen der Konditoreien, Baiser und kleine Gebäckteile, die zum Anbeißen aussehen. Das machen wir auch, denn bei diesem Anblick bekommt Ditte Hunger.

Gegen Mittag erreichen wir das Epizentrum des Tourismus in Venedig, den Markusplatz. Wie erwartet, ist er völlig überlaufen. So habe ich vor Jahren Venedig kennen gelernt, allerdings mit viel mehr Tauben, denn heute ist es verboten, die Tauben zu füttern. Darauf stehen drakonische Strafen, ebenso wie für Picknick auf der Piazza San Marco. Die Warteschlange vor dem Campanile, dem fast 100 Meter hohen Wahrzeichen Venedigs, windet sich in mehreren Reihen quer über die Piazetta. Wir verzichten auf den Blick vom Campanile aus, trinken stattdessen Espresso in einem Cafe an der Basilica die San Marco und freuen uns, dass wir ein Cafe gefunden haben, wo der Espresso nicht sechs Euro kostet, wie direkt an der Piazza di San Marco.
Nach der Besichtigung der Seufzerbrücke und einem kleinen Snack vor den Giardini ex Reali, der ausgewiesenen Picknickzone, beschließen wir, dass uns das Gedränge zu viel wird und treten den Rückweg an, dieses Mal direkt am Canal Grande entlang und anschließend über die erste Brücke nach Dorsoduro.

Zufällig findet genau an diesem Tag die Vogalonga statt, eine Ruderregatta mit mehreren tausend Teilnehmern, bei der auch Drachenboote, Kanus und Gondeln zugelassen sind. Wir stehen eine Weile auf der Brücke und sehen zu wie die Boote unter uns hindurch ziehen. Der Canal Grande ist voll von Booten unterschiedlichster Form und Größe, die Ruderer teilweise verkleidet, ein Drachenboot hat einen eigenen Trommler an Bord, der den Rhythmus vorgibt. Aus dem Reiseführer erfahren wir, dass wir Zeugen eines “weltweit einzigartigen, unvergesslichen Spektakels“ sind.

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