Unterwäsche bügeln? Wir sind die anderen zwei von drei Deutschen
Eine Haushaltsgerätefirma, die ich bis vor ein paar Minuten auch noch nicht kannte, hat eine Studie in Auftrag gegeben.
Schnell möchte ich eine Warnung einflechten: Solltet Ihr, unsere werten Blogleser jetzt nach eben dieser Firma suchen, die sich nach Laura’s Stern genannt hat und Haushaltsdingens herstellt – dann stellt die PC Boxen leise. Der Webmaster dort hat ziemlich lautes Klaviergeklimper hinter die Startseite gelegt. Das erinnert mich an Glückwunschtelegramme früher:
Wenn man einem lieben Menschen etwas Gutes tun wollte, dann schickte man ihm eine Karte, so gegen Ende der Achtziger vielleicht schon eine, die eine kurze Melodie spielen konnte. War man aber spät dran – so etwa am 22.12. oder so – dann schickte man eben eine Telegrammkarte mit Weihnachtswünschen, Geburtstagsgrüßen oder ähnlichem, und mit passender musikalischer Begleitung: “Fieps-schnarzel-düüüp-die-duh-schnrz”. Die Geräusche kamen aus einem kleinen Piepse-Bauteil, das damals als hi-tech durchging.
Die Webseite klingt genauso wie diese fipsigen Glückwunschtelegramme, die einstmals beeindruckende Wunder der Technik waren. Kann natürlich auch an den Boxen an meinem Computermonitor liegen – aber Ihr seid schonmal gewarnt.
Laurastar, um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, stellt Bügelbretter her, und Bügeleisen. Das ist erstmal nicht besonders verwerflich. Die Firma will die Teile auch verkaufen, auch das ist okay. Dazu macht sie Marketing, Werbung, gibt Umfragen in Auftrag und gibt Presseberichte heraus. Ja klar, wieso nicht.
Das hat sie im Lauf der letzten Woche auch gemacht, und das Ergebnis ist hier:
“Gut jeder dritte Deutsche bügelt seine Unterwäsche”
Jetzt mal ehrlich – wer tut denn sowas? Und wozu?
Eins ist klar: Wenn ich Bügeleisen verkaufen wollen würde, würde ich solche Behauptungen auch unter’s Volk streuen, damit sich alle möglichst schlecht fühlen und schnell ihren Bügel-Fuhrpark aufrüsten. Riesen-Atom-Monster-Bügeltische mit Selbsteinweicher und Durchdampfungsaggregaten, Siebtentausend-Watt-Eisen mit Diamantschliff und Raumschiffbeschichtung, Svarovski-Bügelwäsche-Körbe. Ohne das nötige Zubehör keine gebügelte Unterwäsche, und ganz offensichtlich geht ja knapp die Hälfte aller Deutschen nicht ohne Bügelfalz im Untergewand aus dem Haus.
Was mich betrifft: Es geht auch ohne Perfektion, und das vermutlich sogar gemütlicher, mit mehr Zeit für die angenehmen Seiten im Leben. Oder unterschätze ich hier den Wert von gebügelten Shorts?
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