Über Stock und Stein

Wir haben das herrliche Ausflugswetter genutzt und waren unterwegs im Bayerischen Wald.

Eigentlich wollten wir über die Himmelsleiter auf den Lusengipfel klettern – klingt sportlich, ist aber nicht eher eine gemütliche Wanderung mit viel Kinderkletterei – und vom Gipfel aus die toten Bäume rundherum bewundern.  Der Bayerische Wald ist ein Naturschutzgebiet, in dem sich der Borkenkäfer frei entfalten darf, was er stellenweise auch deutlich sichtbar getan hat. Trotz der toten Bäume ist der Ausblick vom Lusen wunderschön, und das steinerne Meer am Gipfel ungehemmter Kinder-Kletterspaß.

Womit wir nicht gerechnet hatten, waren die Temperaturen. Eigentlich hätten wir es wissen können, denn wir haben uns schon ein paar Mal in ähnlicher Weise geirrt, allerdings bei anderen Bergen. Wir hatten uns auf die vom Wetterbericht angekündigten Temperaturen von knapp zwanzig Grad eingestellt und entsprechend leicht gekleidet. Dass es vielleicht kälter sein könnte als erwartet, ahnten wir schon, angesichts der schmutzig-braunen Schneereste, die in einigen Straßengräben lagen. Ein Blick auf die Temperaturanzeige bestätigte es: Sechs Grad. Gepaart mit dem lausig kalten Wind, der uns um die Ohren fegte, kein besonders warmer Empfang.

Deshalb fassten wir kurzfristig ein anderes Ziel ins Auge. Die Buchberger Leite.

Ein felsiger Wanderweg führt entlang der Wolfsteiner Ohe, ein Ilz-Zufluss, der rauschend über die Steine im schmalen Bachbett springt. Dass die Buchberger Leite zu den schönsten Geotopen Bayerns gehört, haben wir erst nachher gelesen. Erstaunt hat uns das keineswegs.

Wir waren umgeben von Grün, einem erstaunlicherweise beruhigenden Getöse, abgeschnitten vom Rest der Welt. Nicht nur der Bach sprang über Steine, sondern auch Ditte. Für sie war der Weg ein einziges Kletterparadies, das sie so sehr begeisterte, dass sie dieselbe Strecke zurück gehen – oder eher hüpfen – wollte, statt, wie eigentlich geplant, dem Rundweg zu folgen, der uns aus dem Tal weg geführt hätte.

So konnte sie die Hängebrücke über die Wolfsteiner Ohe zweimal überqueren. Auf der Brücke kann man nur hintereinander gehen, aneinander vorbei ist ausgeschlossen, und die Brücke schwingt bei jedem Schritt, am stärksten in der Mitte. Ditte hat es genossen, mir war ein wenig komisch.

Was mich am meisten beeindruckte, war die Quelle. Ich habe noch nie zuvor eine Quelle gesehen, und hatte mir Wasser vorgestellt, das aus einem senkrecht stehenden Stein heraus bricht. Dass es aus dem Boden kommt und eher wie ein Sprudel in einem Erlebnis- oder Wellnessbad aussieht, hat mich überrascht.

Im Nachhinein war ich sogar froh, dass es am Lusen so kalt war, denn ein schöneres Ausflugsziel als die Buchberger Leite hätten wir nicht erwischen können.

 

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