Es war einmal ein Buch

Wer unseren Blog kennt, hat vermutlich die ein oder andere Buchempfehlung entdeckt. Wer neu hier ist, kann sie hier finden: unsere Bücherkiste.

eine vom Dittes Bücherkisten

Wenn ich mir ein Leben mit Kind vorgestellt habe, dann hatte ich oft ein Bild vor Augen: Ich sitze auf dem Sofa, das Kind an mich gekuschelt, vielleicht in eine Decke gewickelt, und ich lese aus einem Buch vor. Aus einem Buch vorgelesen zu bekommen, war für mich eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen, denn sie drückt gleich mehrere Dinge aus. Geborgenheit, Hingabe und Fürsorge.
Das möchte ich auch an mein Kind weitergeben. Unsere gemeinsame Lesezeit beginnt erst langsam, denn Ditte konnte bisher nicht lang genug aufmerksam bleiben. Mittlerweile sind wir bei kürzeren Geschichten und Märchen angekommen. Ja, wir lesen Märchen vor, obwohl sie nicht mehr zeitgemäß sind. Die Frauen oft untätig oder stickend in irgendwelchen Türmen sitzen und auf ihre Erlösung durch einen herbeieilenden Prinzen oder Edelmann hoffen, und die Antagonisten am Ende häufig auf brutale Art ihr Leben lassen. Ditte mag Märchen, und wir machen ihr klar, dass die Geschichten in den Büchern nicht „echt“ sind.

Jetzt habe ich mich schon verfangen, noch ehe ich dort angekommen bin, wo ich eigentlich anfangen wollte: Bei der Zukunft.
Unsere Zukunft wird von Büchern begleitet sein. Natürlich auch von Büchern, die wir selbst – also Marc und ich – als Kinder gelesen haben, und die uns etwas bedeutet haben. Sicherlich gibt es viele lesenswerte neuere Bücher, aber ein Michael Ende oder eine Astrid Lindgren sind und bleiben nun mal Klassiker.
Die Verfilmungen dieser Bücher werden wir – wenn überhaupt – später ansehen. Denn gerade diese Bücher leben nicht nur von der Handlung, sondern vor allem durch die Kraft der Worte. Die kann nicht einmal der begabteste Regisseur einfangen.
Beginnen werden wir aber mit Otfried Preußler.
Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dem kleinen Gespenst, dem kleinen Wassermann, der kleinen Hexe und natürlich dem Räuber Hotzenplotz. Krabat heben wir uns für später auf.  Die Geschichten habe ich als Kind geliebt, die Nähe zum Märchen, die fantasievollen Gestalten und die einfühlsame Erzählweise. Bücher für schlechtes Wetter, die einen in eine fremde Welt versetzen, die gar nicht so weit weg zu sein scheint.
Viele weitere Bücher habe ich im Kopf, die ich gerne nochmal lesen würde, aber die Vorlesezeit wird zu Ende gehen, wenn Ditte selbst lesen lernt. Viele Bücher sind auch einfach zu lang, um in angemessener Zeit vorgelesen zu werden. Vielleicht werde ich dann heimlich unter der Bettdecke Dittes Kinderbücher lesen. Aber bis dahin ist noch eine Weile Zeit.
Das kleine Gespenst liegt schon bereit und wartet darauf, dass Ditte alt genug wird, um zu verstehen, dass viele Geschichten nicht nach zehn Minuten zu Ende sind.
Und ich hoffe, dass Ditte das Vorlesen ebenso lieben wird wie ich.

 
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