Mai 162012
 

Stofftüten sind praktisch und dekorativ, zumindest wenn sie selbst bemalt sind. Außerdem können so auch kleine Kinder mit ein wenig Unterstützung – und viel Spaß – Geschenke basteln.

Stofftüten anmalen. Dafür braucht man:

- Stofftüten

- Stoffmalfarben

- Pinsel

- Wasser

- Papier zum Unterlegen und “Schutzkleidung”, soweit erforderlich

- je nach Bedarf: Schablone, Stempel, Stoffmalstift, Konturenfarbe

 

Die Tüten gibt es für unter zwei Euro pro Stück. Ein Set Stoffmalfarben mit fünf oder sechs verschiedenen Farben kostet zwischen acht und zwölf Euro und kann natürlich öfter verwendet werden.

Kleinere Kinder können mit Schablonen Figuren aufmalen oder mit Stempeln Muster aufdrucken, während größere mit einem Stoffmalstift selbst Zeichnungen auf die Tüte bringen oder vorgezeichnete Umrisse ausmalen können. Auch eine schöne Idee: bunte Handabdrücke, wie auf dem Muttertagsgeschenk bei Muttis Nähkästchen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Da der Taschenstoff meist eher grob ist, können kleine Motive ein wenig ungenau werden. Deshalb sollte das gewählte Motiv nicht besonders detailliert und idealerweise größer als fünf Zentimeter sein, auch wenn Stempel verwendet werden.

Und nicht vergessen: Nach dem Bemalen nach Anleitung einbügeln, damit das Motiv beim ersten stärkeren Regen nicht auf und davon läuft.

Ich habe für Ditte eine Stofftasche für den Kindergarten bemalt, mit dem üblichen Wunschmotiv. Das Motiv habe ich durchgepaust und mit schwarzer Konturenfarbe nachgezogen. Die Konturenfarbe wird eigentlich für Seidenmalerei verwendet und ist ein bisschen schwieriger zu handhaben als ein Stoffmalstift.

Ditte hat auf ihre Tasche eine Blumenwiese mit Sonne gemalt.

Mai 152012
 

Nein, ich habe kein Frühstück serviert bekommen, nur einen Kaffee ans Bett, den ich dann auch noch beinahe in selbiges vergossen hätte.
Niemand hatte Blumen gepflückt oder gekauft. Und als Ditte sich endlich doch noch überreden ließ, mit dem Papa ein paar Wiesenblumen zu sammeln, weigerte sie sich hinterher sie in eine Vase zu stecken oder der Mama zu geben.
Dafür überreichte sie mir ein Geschenk. Dass ich das bekommen würde, wusste ich bereits, denn ich hatte es selbst vom Kindergarten nach Hause befördert. Ditte hatte es mir in die Hand gedrückt.
Es war deshalb auch keine Überraschung für mich, dass in das herzbedruckte Packpapier ein Bild eingewickelt war. Auf Leinwand gemalt, mit ausgeschnittenen Herzchen beklebt und in Dittes Lieblingsfarben gehalten, wobei sie auf lila verzichtet hatte. Für Mama nur das Beste.
Ein kleiner Zettel purzelte aus der Verpackung heraus. Ich faltete ihn auseinander und begann das aufgedruckte Gedicht zu lesen.
Und dann passierte das Unglaubliche: Es war, als hätte der unscheinbare Zettel bei Ditte etwas ausgelöst. Wie ein Gongschlag bei einer Hypnose oder ein beliebiger Gegenstand bei einem Menschen, der einer intensiven Gehirnwäsche unterzogen wurde.
Ditte sprach. Genau die Worte, die auf dem Zettel standen. Auswendig gelernt. Alle drei Strophen.
Ich war – und bin es immer noch – völlig überrascht davon, dass mein kleines, noch nicht einmal vier Jahre altes Mädchen ein Gedicht auswendig vortragen kann.
Mindestens genauso überrascht war ich, dass sie es so lange für sich behalten hat, denn Lieder, die sie gelernt hat, trägt sie normalerweise im Garten vor, sehr zur Freude aller Nachbarn. Noch vor ein paar Tagen konnten alle erfahren, dass sie bei „Kyrie“, das sie im Kindergarten übten, noch nicht ganz textsicher ist, geschweige denn die richtige Tonlage trifft.
Bei dem Gedicht hat sie dicht gehalten. Bevor ich den Textzettel in der Hand hielt, gab es nicht das kleinste verräterische Anzeichen, obwohl sie sonst ihrem Drang, Geheimnisse mit anderen zu teilen, nicht lange widerstehen kann.
Hätte sie das Gedicht nicht noch mehrfach vorgetragen, ich hätte es für eine Muttertags-Halluzination gehalten. Es hat uns den ganzen Tag über begleitet, mal laut, mal leise, bis auch wir sicher waren, dass wir dieses Gedicht so schnell nicht vergessen würden.

Danke, Ditte!
Und danke, Andrea und Elisabeth, dafür, dass ihr meinem Kind Dinge zutraut, die ich selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Apr 182012
 

Eigentlich ist es schön, die Kinder mit einzubeziehen, ihnen die Wahl zu lassen und ihre Entscheidung zu akzeptieren. Eigentlich hatte ich mir auch fest vorgenommen, das so zu machen. Immerhin möchte ich, dass mein Kind selbständig Entscheidungen treffen kann und sich respektiert fühlt.

Die Frage „Was willst du?“ habe ich mir trotzdem abgewöhnt. Und auch die Sache mit der freien Wahl.

Wahl ja, aber sicherlich nicht frei.

Das führt sonst zu absonderlichen Auswüchsen, die nur das Kind gut findet.

Beispielsweise wenn es um die Kleiderwahl geht. Bei Regen und niedrigen Temperaturen ein dünnes Röckchen und Ballerina-Schuhe, dazu ein farblich absolut unpassendes Oberteil – was mir dann wieder egal wäre – und ein Paar kurze Söckchen zur kindlichen Gänsehaut.

Nein, da haben wir die freie Wahl schnell wieder abgeschafft. Ditte darf sich entscheiden, aber zwischen den Kleidungsstücken aus meiner Vorauswahl. Dadurch lässt sich die Gänsehaut und die langwierige Diskussion, ob heute ein Rocktag ist, vermeiden.

Manchmal darf sie auch den Pulli selbst aussuchen. Die anderen Kleidungsstücke muss sie aber dann ohne Beschwerde anziehen. Das klappt auch gut, und ich kann damit leben, dass sie ihre eigene Vorstellung davon hat, welche Farben genau zusammen passen.

Als erstes haben wir  die freie Wahl beim Essen abgeschafft, denn da hat sie am meisten gestört. Den Familienfrieden.

Denn die Frage „Was willst du zum Abendessen?“ hat sie regelmäßig mit „Gummibärchen“ beantwortet. Gummibärchen gibt es bei uns aber nicht zum Abendessen.

Punkt. Aus. Basta.

Leider war Ditte da nicht so einsichtig, und wir haben einige Male lange Streitgespräche darüber geführt, warum es keine Gummibärchen zum Abendessen gibt, obwohl die doch so lecker schmecken. Gegenüber Argumenten, die die Inhaltsstoffe von Gummibärchen und den Nährstoffbedarf von Kleinkindern betrafen, war sie generell nicht besonders aufgeschlossen.

Und um eben diese Diskussion nicht mehr führen zu müssen, bekommt sie zum Abendessen und zum Frühstück eingeschränkte Wahlmöglichkeiten.

„Willst du Brot, Joghurt oder Müsli.“

Das reicht als Auswahlmöglichkeit völlig. Ditte ist zufrieden und wir ersparen uns das „Ich will aber Gummibärchen“-Gespräch.

Auch beim Kleidungskauf verzichten wir auf die Frage „Was willst du?“.

Denn wenn es nach Dittes Willen ginge, hätten wir den ganzen Schrank voll mit rosa-weißen Rüschenkleidchen, rosa Ballettröckchen und anderen rosaroten Scheußlichkeiten – ja, hier bricht wieder meine Abneigung gegen rosa durch – , aber nichts, womit man ein Kleinkind vollständig bekleidet bei frühlingshaften Temperaturen auf die Straße schicken könnte.

Meist suche ich drei Teile aus, aus denen sie dann auswählen darf. So kann ich unnötiges Rosa vermeiden und stelle gleichzeitig sicher, dass wir die Kleidungsstücke kaufen, die wir brauchen. Nicht den blumigen Tutu statt des dringend benötigten Sonnenhuts. Wobei ich zugeben muss, dass der Sonnenhut ein wenig rosa geworden ist. Es gab keine anderen, und Ditte war davon so begeistert, dass sie ihn seither jeden Tag trägt. Mangels Sonne als Regenhut.

Aber manchmal rutscht mir die leidige Frage dann doch heraus.

Gestern erst wieder.

Von der Entsorgung einer Kiste sind zwei Holzrahmen mit weißen Platten dazwischen übrig geblieben. Perfekt zum Bemalen. Schnell haben wir entschieden, dass sie eine bemalt und ich die andere.

Und dann beging ich den fatalen Fehler: „Was soll ich denn drauf malen?“

Ich habe mich gefügt und das gewünschte Motiv gemalt. Selber schuld, wieso lasse ich ihr auch die Wahl.

Ach ja, das Ergebnis – war ja zu erwarten!

Mrz 312012
 

Wir haben eine wilde Woche hinter uns, dringend ein wenig Erholung nötig und sind um zwei Erkenntnisse reicher:

  1. Wir sind nicht allein.
  2. Ohne Großeltern geht (fast) gar nichts.

Aber mal von Anfang an:

Oma und Opa sind in der Türkei in Urlaub. Wir hoffen, dass sie eine schöne Zeit dort haben und mit vielen neuen Eindrücken (und Fotos) zurück kehren. Sie haben sich lange darauf vorgefreut, langfristig geplant und sich ernsthaft Sorgen gemacht, ob wir das mit Kind so hinbekommen.

Der moderne Mensch mag jetzt denken: Was mischen sich denn die Großeltern in die Erziehung ein, immerhin sind die beiden mit Kind doch alt genug die Ditte allein groß zu ziehen.

Das stimmt grundsätzlich auch, aber die traurige Wahrheit ist, dass es bei den schlechten Betreuungszeiten hier auf dem Land nicht möglich ist, dass beide Elternteile berufstätig sind ohne die Unterstützung von Großeltern (oder anderen Verwandten, Nachbarn oder Freunden).

“Die Großeltern sind fest in das Betreuungsmanagement eingebunden. Das ist schon jetzt Lebenswirklichkeit”, sagte jüngst unsere Familienministerin Schröder. Da hat sie völlig Recht.

Schön ist das trotzdem nicht, vor allem für die Eltern, die eben keine Großeltern in der Nähe haben, die in der Lage und willens sind, die Engpässe bei der Kinderbetreuung auszugleichen.

Es ging, auch ohne Großeltern, aber gerade mal so und keinesfalls gut, und das obwohl ich nur an zwei Tagen in der Woche nachmittags arbeite. Mit Mühe und Not haben wir es hinbekommen, unsere Termine so abzustimmen, dass Ditte nicht irgendwo allein herumsitzen musste.

Wobei sie sich am Elternsprechtag in der Schule sicherlich nicht besonders wohl gefühlt hat, und einige der Schülereltern sich zu Recht gefragt haben mögen, was das Kleinkind bei der Besprechung mit dem Lehrer ihrer Kinder verloren hat. Es war nicht anders möglich, denn ohne Großeltern geht eben fast gar nichts.

Ich habe Ditte nach der Arbeit abgeholt, und es hat sich weniger wie Elternsein angefühlt, viel mehr wie Terminverwaltung oder Jonglieren. Kinderjonglieren.

Dass Ditte am Elternsprechtag teilgenommen hat, hat eine Menge Reaktionen ausgelöst unter Marcs Kollegen. Denn von ihnen haben einige Kinder und nicht alle eine gute Lösung für deren Betreuung während des Elternsprechtags gefunden.

Da war die Kollegin, deren Mann seinen Laden früher schließen musste, um die Kinder zu beaufsichtigen. Der Lehrer, dessen Frau ihre Schichten im Krankenhaus tauschen musste. Das Lehrerehepaar, bei denen die Großeltern zur Kinderbeaufsichtigung siebzig Kilometer angereist sind. Und der Kollege, dessen Frau Hebamme ist, die glücklicherweise während des Elternsprechtags keinen wichtigen Termin hatte.

Wir sind nicht allein. Gerade in außergewöhnlichen Situationen tritt häufig Betreuungsnotstand ein, der sich nicht so leicht beheben lässt. Die Lehrer haben jetzt eine Vereinbarung getroffen: Zu solchen Pflichtterminen bringen sie alle ihre Kinder mit, und suchen jemand, der sie während der Zeit betreut.

Ein kleiner, privater Betriebskindergarten zu besonderen Anlässen. Eigentlich eine schöne Idee.

Ich wünsche mir trotzdem längere Betreuungszeiten im Kindergarten. Wenigstens bis drei und ein warmes Mittagessen für die Kleinen.

Mrz 302012
 

Von allen Seiten bekommen wir Berge von Tipps – gut gemeinte genauso wie welche mit handfestem wirtschaftlichen Hintergrund.

“Dein Kind lacht nicht so viel wie die Kinder in dieser Werbefamilie, weil Du die falsche Schokolade kaufst. Schäm Dich!”

Da kommt es schon, das schlechte Gewissen. Hier ist eine kleine Sammlung – zum Schnell-Mal-Zwischendurch-Schämen. Und dann schnell wieder vergessen; wir sind nicht perfekt, unsere Welt ist nicht perfekt. Wir Eltern geben uns Mühe, wir wollen für unsere Kinder nur das Beste.

1.) Einkaufen. Ernährung ist so absolut grundlegend, dass sie mühelos den Platz 1 in der Liste belegt: Kaufe ich die richtigen Produkte? Aus den richtigen Gegenden? Für Fortgeschrittene: Ist jetzt schon die richtige Jahreszeit für die total lecker aussehenden Erdbeeren aus dem Supermarkt?

2.) Schlaf. Bekommt mein Kind genug Schlaf, zur richtigen Zeit? Bekomme ich noch genug Schlaf, und schlafen überhaupt alle in den richtigen Betten? Sollten alle schlafen: Ist der Kindsschlaf auch tief, gesund und in nicht allergieauslösender Bettwäsche? Die noch dazu umweltschonend hergestellt wurde? Und überhaupt: Die Daunen. Wo die herkommen – ein leiser Schauer rinnt den Rücken hinunter.

3.) Bewegung. Bewegt sich das Kind genug? Und richtig? Und in den richtigen Schuhen, in korrekter Bekleidung und unter qualifizierter Aufsicht? Besonders gut: Würde das Kind sich besser bewegen, wenn ich es in die nächste Großstadt zum Krabbelkinder-Taekwondo fahren würde?

4.) Zuwendung. Verwöhne ich das Kind, “verzärtel” es am Ende sogar? Oder ist es schon vernachlässigt, wenn ich nachmittags arbeite, und es daneben spielt?

Diese Fragen greifen alle zu kurz, treffen nicht das Wesentliche im Leben mit Kindern. Viel wichtiger ist doch:

Habe ich heute schon mit meinem Kind gelacht?

Ja? Wir machen alles richtig.

Mrz 282012
 

Heute waren wir Einkaufen. Nichts Besonderes, eigentlich so wie immer.

In der Nähe der Wursttheke fing es an: „Mama, ich mag eine Wurst.“

„Wir kaufen heute keine Wurst, wir haben noch welche zu Hause.“

„Ich will aber eine Wurst.“

Wir gingen ein wenig weiter, vorsichtshalber nicht direkt an der Wursttheke vorbei.

„Mama, ich will ein Wienerl.“

Ich habe versucht, das Quengeln zu ignorieren und weiter zu gehen, wurde aber festgehalten.

„Mama, du gehst falsch. Wir müssen da lang. Da hinten gibt es Wurst.“

Von „da hinten“ hörte man bereits leises Kichern der Fleischereifachverkäuferinnen, denn Ditte hatte in ihrer normalen Lautstärke gesprochen, die selbstverständlich auch noch zwei Gänge weiter gut hörbar war. Ich gab schließlich nach, und Ditte bekam ihre Wiener Wurst, die sie gleich im Laden auffutterte.

 

Jedes Mal, wenn wir in die Nähe der Fleischtheke kommen, bemühe ich mich, kein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil mein Kind lauthals nach einer Wurst verlangt. Lang, ausdauernd und vor allem laut.

Letztlich sind die Metzgereifachverkäufer selber schuld, wenn in der Nähe ihrer Theke Kleinkinder nach Wurst winseln, als müssten sie auf der Stelle verhungern, wenn sie keine bekommen.

Ich kann mich noch an die erste Wurst erinnern, die Ditte bekommen hat. Eine etwa fingerdicke Scheibe Gelbwurst. Daran kann ich mich deshalb so genau erinnern, weil ich Gelbwurst nicht besonders mag, aber ein gutes Stück der Wurst essen musste. Der Papa hat auch ein großes Stück abgekriegt. Die Gelbwurst war sozusagen eine Familienwurst.

Ditte hatte zu damals noch so wenig Haare, dass der Verkäufer sie für einen Jungen hielt, und keinen einzigen Zahn im Mund.

„Macht nichts“, hatte er gesagt, “die Wurst kann er doch lutschen. So was Feines hat er bestimmt noch nie gehabt.“

Seit dieser Zeit hat die Ditte regelmäßig an der Wursttheke eine Wurst geschenkt bekommen, mal Gelbwurst, mal Fleischwurst, mal Wienerl.

Natürlich wurde die freundliche Geste zur Gewohnheit, und natürlich wurde die Gewohnheit mit zunehmender Sprechfertigkeit auch eingefordert.

Mittlerweile bin ich aber zu der festen Überzeugung gekommen, dass die Metzgereifachverkäufer die Wurst nicht aus Freundlichkeit verschenken, sondern dass es sich dabei um eine besonders perfide Marketingmethode handelt. Die Kundenbindung wird in möglichst jungen Jahren hergestellt. Die Wurst quasi als direkte Ablösung der Muttermilch angeboten. Damit züchtet sich die Fleischerinnung einen möglichst großen Kundenkreis heran.

Vielleicht sollte ich mein schlechtes Gewissen ablegen, wenn mein Kind in der Nähe der Fleischtheke wieder einmal lautstark eine Wurst verlangt, denn für die Verkäufer ist es die beste Bestätigung, dass ihre Marketingmasche funktioniert.