Sep 212011
 

 

Wer unsere Route durch Mallorca ein wenig verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass wir gar nicht in Palma waren (außer auf der Durchreise), den gesamten Westen ausgelassen haben und noch viele andere Dinge nicht gesehen haben, die man eigentlich gesehen haben müsste.

Stimmt!

Eine Woche ist nun wirklich zu kurz, um alles anzusehen. Deshalb haben wir uns vorwiegend auf den Nordosten beschränkt mit Abstechern in den Süden und den Norden. Und selbst im Nordosten gäbe es noch viele besuchenswerte Flecken.

 

Deshalb haben wir eine Liste zusammengestellt, mit Dingen, die wir nicht getan haben, und Orten, die wir nicht gesehen haben, was wir aber vielleicht irgendwann einmal nachholen werden.

 

Der rote Blitz

Die Nostalgieeisenbahn fährt von Palma durch 13 Tunnels und wildes Gebirge nach Sóller. Dittes leuchtende Augen beim Blick auf den altertümlichen Zug im Reiseführer werde ich nicht so schnell vergessen. Leider ist der Zug nostalgisch-unklimatisiert, was ihn nicht zum idealen Hochsommer-Reiseziel macht. Er steht aber auf unserer Was-tun-wir-in-unserem-potentiell-nächsten-Mallorca-Urlaub-Liste ganz oben.

 

Palma

Wir waren schon da, die Ditte hätte keine große Freude an einer Stadtbesichtigung, ist aber für jemand, der zum ersten Mal nach Mallorca reist, ein absolutes Muss. Wunderschöne Altstadt, imposante Kathedrale, lebhafte Markthallen, schicke Boutiquen…

 

Der Westen

Wenn wir noch einmal nach Mallorca reisen würden, dann sicherlich nicht nochmal im Hochsommer, sondern etwas früher und zum Wandern. Dafür bietet sich der gebirgige Westen an. Dort findet man wenig Strände, dafür einsame Flecken und atemberaubende Ausblicke.

 

Die Fondació Pilar i Joan Miró

„Aqui tengo raíces“

Hier habe ich Wurzeln, sagte Joan Miró über Mallorca. Und hier kann man auch sein Atelier –zumindest durch das Fenster – besichtigen, in einem architektonisch interessanten Gebäude von Josep Sert. Ob die Fondació wirklich sehenswert ist, wissen wir nicht, denn unsere Reiseführerin vor Ort hatte noch nie von ihr gehört. Aber wahrscheinlich hält sie auch Mirò für ein neues Paar Designerschuhe aus Madrid.

 

Jürgen Drews

Haben wir aus Altersgründen nicht besucht. Nein, nicht wir sind zu alt, die Ditte ist zu jung. Werden wir vielleicht irgendwann in fernster Zukunft nachholen, und sollte Jürgen Drews dann schon abgetreten sein, dann sehen wir uns einfach Micky Krause an. Aber wir wären der Ditte auch nicht böse, wenn sie dann ihre „peinlichen ollen Eltern“ zu Hause lässt und allein hin geht.

Also, ganz ehrlich: eigentlich wollten wir da gar nicht hin.

 

Eine Delphin-Tour

Frühmorgens mit dem Katamaran aufs Meer hinaus fahren und mit einiger Sicherheit Delphine sehen, hätte ich spannend gefunden. Die Touren starten unter anderem ab Cala Ratjada. Leider ist dafür die Ditte etwas zu klein, denn die Boote sind nicht so kindersicher, dass ich mit ruhigem Gewissen meine kleine experimentierfreudige Nichtschwimmerin mit an Bord nehmen könnte.

 

Die Inselmitte im Januar oder Februar

Blühende Mandelbäume, mehr muss ich nicht ich nicht sagen. „Hausfrauenurlaub“, sagt meine Mutter dazu. Ich glaube, mir könnte es trotzdem gefallen. Dann: unbedingt einen Abstecher nach Es Trenc machen.

 

Aquacity

Ein großer Wasser-Spaß-Park mit üppigen Preisen.

 

Valdemossa

Das Dorf, in dem George Sand und der lungenkranke Frédérique Chopin einen verhängnisvollen Winter verbrachten, den George Sand in ihrem Reisebericht „Un Hiver à Majorque“ festhielt. Der Ort ist seither im Chopin-Fieber – ich bitte den schlechten Scherz zu entschuldigen.

 

Die vielen verpassten Orte, …

… die uns im Vorbeifahren gelockt hätten. Die alten Römerruinen von Pollentia, die Sumpflandschaft von Albufera mit den vielen dort beheimateten Vogelarten, das Kastell von Capdepera, die Ermita de Sant Salvator, die auf einem Berg nahe Felanitx thront, um nur einige zu nennen.

 

 

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!

Wir werden sehen, wohin uns unsere nächste Reise bringt. Etwas Neues hat sich aufgetan, und ich kann schon so viel verraten: Es ist nicht Mallorca.

 

(Bild gefunden bei Jaume Meneses, flickr)

Sep 172011
 

Unseren letzten Urlaubstag wollten wir ein wenig ruhiger verbringen. Wir starteten direkt nach dem Frühstück nach Ses Païsses, einer frühzeitlichen Siedlung in der Nähe von Artà. Die Beschilderung war so dezent, dass wir die Einfahrt zunächst verpassten. Wir fuhren ein Stück weiter und entschieden dann, umzukehren. Auf dem Rückweg sprang ein Mann vor uns auf die Straße, der wild winkte und uns bedeutete, wir sollten durch einen engen steinernen Torbogen fahren und dort einparken. Es stellte sich heraus, dass der Mann in Ses Païsses arbeitete, und zwar als Souvenirhändler, Eintrittskartenverkäufer und Kioskbetreiber. Und so sparsam wie die Personalausstattung war das Besucherzentrum: alles in einem offenen kleinen Hüttchen. Die Besucher waren auch nicht eben zahlreich, denn wir waren die einzigen.

Von der frühzeitlichen Siedlung selbst, die wohl bis 800 v. Chr. entstanden ist, waren nur noch Ruinen übrig. Wir betraten die Anlage durch ein beeindruckendes Steintor und folgten dem ausgeschilderten Rundweg, vorbei an verschiedenen Kammern, deren Grundmauern noch zu erkennen waren. Ein „Rundweg“ in dem Sinn war es eigentlich nicht. Rund zwar schon, aber Weg war doch etwas hoch gegriffen für die freien Flächen zwischen den Mauerresten, denn dort lagen teilweise die abgebrochenen Steine, fest mit dem Boden verwachsen, so dass wir an vielen Stellen klettern mussten, sehr zur Freude unserer Ditte. Die war in ihrem Element, balancierte von Stein zu Stein und kraxelte, was das Zeug hielt. Wir konnten sie gerade noch davon abhalten, auch in den abgesperrten Bereichen herumzuturnen.

Wie bereits bei der Necròpolis von Son Real wollte die Ditte am liebsten weiter zwischen den alten Steinen klettern, statt mit uns mitzukommen. Anscheinend sind antike Freiluftmuseen ideale Abenteuerspielplätze für Kinder.

 

Anschließend gingen wir in Canyamel am Strand spazieren und entdeckten dabei meinen persönlichen Lieblingsplatz des Urlaubs. Ich lasse jetzt einfach mal Bilder sprechen:

 

Ein angenehm warmer Wind bauschte die Vorhänge und strich uns durch die Haare, während wir auf der Terrasse des Restaurants Vintage 1934 saßen, Cola und  reichlich teuren, dafür frisch gepreßten Orangensaft tranken und den Blick auf uns wirken ließen. Und hätte mich mein Mann nicht irgendwann weggezerrt, ich würde noch jetzt auf dieser Terrasse sitzen.

Wen es interessiert: Das Restaurant gehört zum Beachhotel Cap Vermell, das – neben einer wunderschönen Sonnenterrasse mit Jacuzzi –  über die sensationelle Anzahl von 11 Zimmern verfügt, und deshalb leider oft ausgebucht ist.

 

In unserer Mittagspause lernte die Ditte ein neues Wort: Siesta.

Das Wort bezeichnet die Zeit, in der das Kind wie ein Gummiball auf dem Bett auf- und abspringt und dabei hirnlose Fernsehsendungen ansieht. Aber immerhin hat sie ein neues spanisches Wort gelernt.

 

Danach badeten wir ein allerletztes Mal im Meer, diesmal an der Cala Mesquida. Der Strand war nur an einer Seite bebaut, da er direkt an ein Naturschutzgebiet anschließt. Die Hotels in Cala Mesquida waren fast durchweg kinderfreundlicher als unseres in Cala Ratjada. In einem Hotelpool lag ein übermächtiges Piratenschiff mit Rutsche vor Anker, es gab einen Spielplatz mit Hüpfburgen und Trampolins. Nach unserer Rückkehr habe ich ein wenig im Internet gestöbert: Es hätte dort teilweise sogar Kinderbetreuung gegeben!

Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass es in Cala Mesquida auch ein Hotel gibt, das keine Personen unter 18 Jahren beherbergt – eine Ausnahme dort.

Der Strand war über Treppen oder Rampen zu erreichen, gut besucht und mit Leihschirmen samt Liegen in mehreren Reihen versehen. Daneben gab es genügend Platz für das eigene Handtuch, einen Getränkeverkauf und sogar  ein kleines Restaurant. Das Wasser war absolut klar und leuchtete einladend türkis, während wir eine der Besonderheiten von Cala Mesquida zwischen den Dünenhügeln hinter dem Strand entdecken konnten: Ziegen. Sie rupften das spärliche Gras zwischen den Sandhügeln, zogen einzeln oder in kleiner Gruppe von Grün zu Grün und ließen sich von den erstaunten Blicken der Badegäste nicht stören. Ich vermute, dass wir Glück hatten, die Ziegen so dicht am Strand zu sehen. Das war schon ein besonderes Erlebnis.

 

(Suchbild mit Ziegen)

 

Sep 152011
 

 

Der Name schwebte durch die Reiseführer und durch alle Informationsbroschüren, die wir gelesen haben:

Es Trenc

 

Zehn Kilometer lang feinster Sandstrand, eine sanft geschwungene Bucht, kristallklares Wasser und dahinter unberührte Dünen.

Kurz: alles, was ein mallorquinischer Traumstrand braucht.

 

In einem Reiseführer wurde er als Mallorcas berühmtester Strand beschrieben, ein anderer sprach ihm gar Karibik-Feeling zu.

unser Es Trenc-Bild

Das ist durchaus zutreffend, wenn Karibik-Feeling bedeutet, dass man horrende Parkgebühren bezahlt, um dann an einem schmalen mit Sonnenliegen unter Strohsonnenschirmen vollgepflasterten Strandabschnitt entlang wandern zu können. Auf der Suche nach einer freien Liege oder ein bisschen freiem Platz zwischen Liegen und der am Strand vorherrschenden Vegetation – nein, nicht Palmen, sondern Algen.

Ja, das war Es Trenc.

 

Aber eigentlich fängt die Geschichte ganz anders an, nämlich bei dem Navigationsgerät, das wir nicht dabei hatten.

Natürlich hatte uns der Ruf gelockt, und da die Ditte viele Besichtigungen von Museen, Städten und alten Steinhaufen brav ertragen, teilweise sogar begeistert mitgemacht hatte, wollten wir ihr etwas gönnen: Baden am schönsten Strand Mallorcas.

Der Weg war weit, denn Es Trenc liegt ganz im Süden der Insel und unser Hotel in Cala Ratjada, im Norden. Ditte war guter Dinge, und wir besichtigten im Vorbeifahren noch weite Teile der Ostküste Mallorcas. Während im Norden die Landschaft hügelig bis bergig war, wurde sie immer flacher je weiter wir in den Süden fuhren. Die Orte, die wir durchquerten, boten eine wilde Mischung. Teilweise reine Touristenzentren mit übermächtigen Hotelbunkern aus der nicht allerjüngsten Vergangenheit, über freundliche Ferienorte mit neusten Hotels mit üppigen Entrées bis hin zu meerfernen, daher touristisch nahezu unberührten Dornröschennestern.

 

Schließlich gelangten wir nach Colònia de Sant Jordi, laut Reiseführer die mallorquinische Entsprechung für das Ende der Welt. Von da aus wäre es nur noch ein Katzensprung bis nach Es Trenc gewesen, aber es ist uns wieder passiert: Wir sind falsch abgebogen.

Denn das Weltende hatte sich seit der Erstellung des Reiseführers zu einer belebten Hotelsiedlung gemausert. Der klare touristische Vorteil von Colònia de Sant Jordi lag an drei Dingen: Es gab nur eine richtige Zufahrtsstraße, da der Ort an einer kleinen Landzunge zwischen mehreren Stränden lag, der Ort bestand aus einem Gewirr von (Einbahn-)Straßen und verfügte über kein einziges Schild mit Hinweis auf die einzige Straße, auf der man den Ort wieder verlassen konnte.

Nachdem wir akzeptiert hatten, dass wir uns hoffnungslos verfahren hatten, beschlossen wir zu parken und zu Fuß zum Strand von Es Trenc zu gehen. An der steinigen Felsküste von Colònia de Sant Jordi entlang führte ein schöner Holzsteg in Richtung des Traumstrandes, der aber plötzlich an der Mauer eines kleinen Yachthafens endete.

An der Mauer vorbei sahen wir ihn, den Strand von Es Trenc. Und aus der Ferne sah er sehr schön aus, lang und geschwungen und sandig. Was wir aus unserer Position nicht sehen konnten, waren die Menschenmassen und die Algen.

Weil die Ditte es so wollte, badeten wir an einem kleinen Strand direkt bei dem Yachthafen. Es gab dort keine Strohschirme und Liegen, noch nicht einmal einen Eisverkäufer. Dafür war der Strand algen- und nahezu menschenfrei. Wir haben gebadet, unsere mitgebrachten Kekse gegessen und eine Sandburg gebaut, die allerdings den Rachegelüsten einer kleinen Spanierin zum Opfer fiel, deren Sandburg Ditte zuvor in einem unbeobachteten Augenblick zerstört hatte. Trotzdem schielte ich immer wieder nach Es Trenc, unzufrieden damit, dass wir den Weg dorthin verpasst hatten.

 

 

Da wir den weiten Weg auf uns genommen hatten, um den schönsten Strand Mallorcas zu sehen, machten wir auf der Heimfahrt – nachdem wir gefühlt eine halbe Stunde durch Colònia de Sant Jordi gekreist waren – einen Abstecher nach Es Trenc. Auf einer schmalen Straße fuhren Autos in beide Richtungen in dichter Kolonne, vorbei an einer sehenswerten Salzgewinnungsanlage mit Werksverkauf und beeindruckenden Salzbergen.

Der Strand selbst war nicht der schönste der Insel. Er war eher weit davon entfernt, aber der berühmteste war er sicherlich.

 

 

(das wunderschöne Bild von Es Trenc aus dem Titel habe ich gefunden bei akaalias, flickr; es wurde übrigens Ende Dezember aufgenommen)

 

Sep 132011
 

Am nächsten Tag fuhren wir direkt nach dem Frühstück nach Artà, einem kleinen Ort, in der Nordostecke Mallorcas, den wir schon einige Male passiert hatten. Unsere Reiseleiterin im Hotel hatte uns empfohlen, Artà an diesem Vormittag zu besuchen, da in der Festung wöchentlich eine Falkenshow stattfinden sollte, bei der die Falkner historische Gewänder trügen.
Dass die Ditte gern Vögel fliegen sieht, wissen wir aus Südtirol, wo wir eine sehr schöne Vogelschau besucht haben, allerdings ohne historische Gewänder, dafür aber vor Schloss Tirol. Da war sie zwar noch sehr, sehr klein, konnte den Vögeln aber mit den Augen folgen, und wenn sie dicht über den Zuschauerbereich hinweg glitten, war das selbst für unser kleines Baby eine Sensation.
Wir suchten uns einen Parkplatz, der etwas weiter vom Berg entfernt lag, da wir den Wegweiser verpasst und uns dann in dem reichlich unübersichtlichen Einbahnstraßengewirr von Artà so festgefahren hatten, dass wir zu Fuß gehen für die bessere Alternative hielten.
Wir folgten der Fußgängerzone, die mit hübschen Läden gesäumt war, in Richtung des Berges, der das Ortsbild dominiert. Eine Treppe führt den Berg hinauf bis vor die Tore der mittelalterlichen Festungsanlage, in deren Mauerring eine Walfahrtskirche liegt.
Wir waren – abgesehen von einem Jogger mit Hund – die einzigen Besucher dort oben. Von oben hatten wir einen wunderbaren Blick über die Landschaft und über Artà, die Ditte kletterte die Stufen zur Festungsmauer hinauf, und so störte es uns zunächst wenig, dass außer uns weder Touristen, noch Falkner in historischen Gewändern kamen.
Als sich nach einiger Zeit immer noch nichts tat, fragten wir in einem Café neben der Walfahrtskirche nach, wann denn die Falkenschau beginnen würde. Die Dame in dem Café hatte von einer Falkenschau in Artà noch nie gehört. Da war sie wohl nicht die einzige, denn auch die Falkner hatten von dieser speziellen Falkenschau noch nie zuvor gehört, und wohl auch keine anderen Touristen, außer jenen, die ebenfalls von unserer freundlichen, aber irgendwie ortsunkundigen Reiseleiterin über dieses besondere touristische Highlight informiert worden waren.
Meine persönliche Lehre daraus: Trau nie einem Reiseleiter vor Ort.
Aber auch ohne mittelalterliche Falkenschau lohnte sich unser Besuch in Artà. Der Blick von der Festung aus war in jedem Fall sehenswert. Da Artà nicht direkt am Meer liegt, ist es weit weniger von Massentourismus geplagt, als die Ferienorte am Strand, und die Bebauung daher eher kleinstädtisch-inseltypisch. Was wohl auch vielen deutschen Auswanderern gefallen hat, denn diese sind in Artà in großer Zahl anzutreffen.

Wir gönnten uns einen Café con leche und der Kleinen einen Saft vor einem gemütlichen Café in der Fußgängerzone, in dem  mehrere Auswanderer an verschiedenen Tischen ihren Vormittagscafé tranken, ehe sie wieder in ihre Modeboutiquen, Dekorationsläden und Immobilienvermittlungen zurückkehrten. Sogar Mitbringsel haben wir in Artà gefunden, wobei ich gestehen muss, dass wir eher auf der praktischen Seite sind, was Mitbringsel angeht. Denn Dekoratives sammelt sich im Lauf der Zeit ohnehin so vieles an, dass man gar nicht mehr weiß, wohin damit, zumal es schwer ist, den entsprechenden Geschmack zu treffen. Wir haben uns deshalb für Gewürzsalze und Marmeladen mit Feigen- und Zitronengeschmack entschieden, die auf der Insel hergestellt wurden.

Anschließend fuhren wir weiter zur Ermita de Betlem, einem Einsiedlerkloster, dessen ursprüngliches Gebäude ein Stall gewesen sein soll. Das Kloster liegt in einem einsamen Gebirgszug etwa neun Kilometer nordöstlich von Artà und ist nicht besonders sehenswert. Dafür ist die Anfahrt absolut spektakulär.
Sie erfordert allerdings einen idealerweise nicht allzu großen Mietwagen, einen unerschrockenen Fahrer und den Mut bei Gegenverkehr auch mal ein paar Meter zurück zu setzen. Während sich die Straße, die ihren Mittelstreifen ausschließlich zur Zierde trug, höher auf das Massiv wand, konnten wir weite Teile des Festlands erblicken und, nachdem wir den höchsten Punkt überfahren hatten, folgten wir den noch steileren Kurven hinab in Richtung Meer, wo die Ermita auf halbem Weg hinunter am Hang sitzt. Der Blick war absolut beeindruckend. Die kargen Steine, das azurblaue Meer und die Straße, die den steil abfallenden Felsen hinab kletterte.

 

Anfang verpasst? Hier geht es zu:

Mit Kind und Mietwagen unterwegs im Norden von Mallorca (Teil 1)

Mit Kind und Mietwagen unterwegs im Norden von Mallorca (Teil 2)

Und hier ist die schöne Übersicht:

Urlaub: Mit Kind auf Mallorca

Sep 112011
 

Ratte war natürlich auch dabei

 

Nach unserer Mittagspause in Port d‘Alcúdia machten wir uns auf den Weg Richtung Pollenҫa. Ausgestattet mit einer Karte, die sich vor allem dadurch auszeichnete, dass auf ihr die gesamte Insel, aber nicht notwendigerweise alle Straßen abgebildet waren, und eben keinem Navigationsgerät, wurde die Wegfindung zu einem Abenteuer, das nicht immer gelang, insbesondere da auch die Beschilderung der mallorquinischen Straßen sich teilweise stark an der einheimischen Bevölkerung orientiert, also eine gewisse Ortskunde voraussetzt.

Irgendwie haben wir es geschafft, Pollenҫa zu verfehlen, und wurden dann auf ein Schild aufmerksam, das auf eine nicht näher bezeichnete „Fundació“ verwies, dem wir beschlossen zu folgen. Fundació konnte alles Mögliche sein, vielleicht sogar ein Römermuseum oder alte Ruinen, zumindest war es der lokalen Bevölkerung so wichtig erschienen, dass sie mehrere Schilder aufgestellt haben, die die Richtung zur Fundació wiesen.

Wir folgten den Schildern, zunächst auf einer geteerten zweispurigen Straße, dann auf einem schmalen Fahrweg, der schließlich in einen schlaglochübersäten Feldweg mündete. Wir fuhren trotzdem weiter, denn die Ditte war ruhig und die Landschaft sehr ansprechend. Links von der Straße erhoben sich recht imposante Berge, die rechts zum Meer hin abfielen. Sowohl beim Hin-, als auch beim Rückweg begegneten wir einer suizidal gefährdeten Ziege, der wir allerdings nicht den Gefallen taten, sie zu überfahren.

Schließlich hielten wir vor einem mächtigen, geschlossenen Eisentor. Ein Schild wies uns darauf hin, dass sich dahinter die Fundació befände und wir zufällig zu den stark eingeschränkten Öffnungszeiten angekommen waren. Ein weiteres sehr kleines Schild wies uns an, näher an das Tor heran zu fahren. Die Tore öffneten sich langsam und gaben den Weg auf eine parkähnliche Anlage frei, durch die eine Teerstraße führte.

Nun waren wir endgültig davon überzeugt, dass wir das Versteck einer Geheimorganisation gefunden hatten, die im Auftrag der Regierung sprechende Super-Autos zusammenbaut, die auf den Namen K.I.T.T. hören.

Die Ditte war gut gelaunt, was wohl teilweise mit unserer Begegnung mit der Suizid-Ziege zusammen hing, deshalb fuhren wir hinein in gespannter Erwartung, was wir dort entdecken würden. Nun ja, alte Römer waren es nicht, noch nicht einmal deren Überreste.

Inmitten eines schön gepflegten Gartens lag ein stattliches, frisch restauriertes Gebäude, das sich als Museum mit mehreren Ausstellungen und dem Namen Fundació Yannik y Ben Jakober entpuppte. Der Eintritt war frei, aber nicht alle Ausstellungen zugänglich. Wir konnten die Sammlung alter Kinderportraits und den Skulpturengarten besichtigen. Beides war mit Ditte gut machbar, wobei ihre Geduld nicht für alle Bilder reichte, während sie im Skulpturengarten begeistert die Namen der dargestellten Tiere nannte.

Viele der Kinderportraits stellten englische, deutsche und französische Adlige, Prinzen und Prinzessinnen dar, die in edlen Gewändern für den jeweiligen Maler posiert hatten, um in teilweise sehr lebensfrohen Farben und in Begleitung von allerlei Tieren verewigt zu werden.  Neben Kinderbildern von Herrschern wie Louis XIII. oder Joseph II. waren auch andere Bilder von angehenden, sehr jungen Falknern und Mädchen aus gutem Hause zu besichtigen. Die Ditte bewunderte die abgebildeten Tiere und natürlich die Prinzessinnen, aber die etwa 150 Bilder umfassende Ausstellung war ihr dann doch etwas zu umfangreich.

Da hat sich Ratte auch ins Bild geschlichen

 

Im Garten wurde an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass die ausgestellten Skulpturen nur der Unterhaltung dienen sollen. Einen besonders hohen künstlerischen Wert hatten die überwiegend Tiere darstellenden Figuren tatsächlich nicht. Der Ditte haben sie aber gefallen. Sie wanderte durch den Park, benannte die Tiere, die sie erkannte, und lernte ein paar neue Tiere kennen. Aber vor allem war das ihre erste freiwillige Begegnung mit Kunst.

 

Verfahren, na und!

Was wir an diesem Nachmittag gesehen haben, war es allemal wert. Mit Navi wären wir sicherlich bei irgendwelchen vielleicht auch sehenswerten römischen Ruinen gelandet, aber die Fundació hätten wir verpasst, und DAS wäre wirklich schade gewesen. Obwohl ich immer noch nicht ganz sicher bin, ob nicht irgendwo im Keller der Fundació ein Auto steht, das auf den Namen K.I.T.T. hört…

 

 

Sep 102011
 


 
Am Morgen nach unserem Busausflug konnten wir tatsächlich bis halb neun ausschlafen, so lange wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Nach dem Frühstück nahmen wir unser Leihauto in Empfang und starteten – reichlich verspätet – zu unserem nächsten Ausflug.

 

Wir hatten einen Opel Corsa gemietet, der zwar über eine Klimaanlage, nicht jedoch über ein Navigationsgerät verfügte. Sicherlich hätten wir eines mieten oder von zu Hause mitbringen können, aber so weit hatten wir nicht gedacht. Wir waren davon ausgegangen, dass das in der heutigen Zeit zur Standardausstattung bei einem Mietauto gehören würde.

Ansonsten hatten wir genau richtig gewählt, denn einige Straßen waren so schmal, dass wir mit einem etwas breiteren Auto bei Gegenverkehr teilweise arg ins Schwitzen gekommen wären. Und die Parkgewohnheiten der Mallorquiner sind eher gewöhnungsbedürftig, das heißt, sie parken innerorts gern in engen und unübersichtlichen Kurven.

Auch wenn die Vollkasko ohne Zuzahlung nochmal richtig Geld kostete, war sie dennoch eine gute Investition, denn der Wagen sah zwar relativ neu aus, hatte aber an einigen Stellen bereits Kratzer im Lack. Und wir hatten wirklich keine Lust bei der Rückgabe des Autos mit dem Verleiher über die Herkunft einzelner Kratzer zu diskutieren.

Hätten wir keine Sitzerhöhung dabei gehabt, hätten wir für einen Kindersitz nochmal täglich 4,50 € zahlen müssen.

 

Von Cala Ratjada aus starteten wir Richtung Westen. Wir hatten einige interessante Punkte festgelegt, aber kein fixes Programm, weil wir weder einschätzen konnten, wie lange wir unterwegs sein, noch wie die Laune der Ditte sich entwickeln würde.

Unseren ersten Halt machten wir in Son Real (westlich von Ca’n Picafort gelegen), das sich zu einem historischen Zentrum entwickeln möchte. Die Betonung hier liegt auf „möchte“, denn die Kombination einer restaurierten Finca mit archäologischen Ausgrabungsstätten fanden wir ein wenig gewagt. Nachdem wir bereits am Vortag Es Calderes besichtigt hatten, verzichteten wir großzügig auf den Besuch eines weiteren Herrenhauses. Zur Necròpolis, einem uralten Gräberfeld aus weit vorchristlichen Zeiten, von Son Real hätten wir eine halbe Stunde Fußmarsch in hochsommerlicher Mittagshitze zurücklegen müssen und das bei völliger Windstille, da Son Real nicht direkt am Meer liegt – mit einem Kleinkind kein großes Vergnügen. Man hätte dort auch Fahrräder ausleihen können, was angesichts der Entfernungen eine gute Idee ist.

Als uns ein Einheimischer dann auch noch davon abhielt, eine der ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, da sich diese anscheinend auf seinem Privatgrund befand und Mallorquiner mit ihrem Privatgrund teilweise extrem heikel sind, entschlossen wir uns dazu nach San Baulo, einem Vorort von Ca’n Picafort, weiter zu fahren. Von dort aus spazierten wir am Strand, meist auf einem breiten, vermutlich auch kinderwagentauglichen Reitweg, entlang in Richtung der Necròpolis. Die Entfernung war in etwa so weit wie von Son Real aus, aber die Hitze durch die Meeresbrise leichter zu ertragen.

Schon bald verklangen die Stimmen der Animateure, die zu fröhlichem Technogedudel versuchten Urlaubsgäste zu irgendwelchen Fitnessübungen anspornen, nur noch vereinzelt begegneten wir anderen Menschen und wir erlebten unsere ersten Momente im wahren Mallorca, abseits des deutschen Touristenrummels. Auf einem sonnengeblichenen Baumstamm machten wir Pause mit Blick auf das Meer, einer sanften, sehr warmen Brise um die Nase und herrlicher Stille, die von leisem Wellenrauschen und gelegentlichem Vogelzwitschern gefüllt wurde.

 

Ratte besichtigt die Necròpolis

Die Necròpolis, die von einem Zaun mit einem offenen Durchgang umgeben war, lag direkt am Meer. Wir hatten bei der Ditte ein langes Gesicht, Langeweile und nach einer Weile lauter werdendes Gejammer erwartet, aber das Gegenteil war der Fall. In dem Areal selbst gab es keine Absperrungen oder Einschränkungen, und so konnte die Ditte die Necròpolis nahezu vollständig erkunden, sich hier verstecken und dort durch eine Öffnung blicken.

Ich erinnerte mich an einen Artikel in der Nido, in dem ein Spielplatzdesigner über den Spielwert einzelner Spielgeräte berichtete. Und ganz ehrlich: Die Necròpolis von San Real ist sehr dicht am Ideal des Spielplatzdesigners dran. Aber keine Sorge, es sind noch alle Steine an ihrem Platz. Entgegen unserer anfänglichen Befürchtung, die Ditte könnte sich langweilen, hatten wir schließlich Mühe sie zum Mitkommen zu überreden, als wir nach San Baulo zurück gehen wollten.

 

Wir ließen Ca’n Picafort rechts und den Naturpark S’Albufera links liegen und fuhren nach Port d’Alcúdia zum Essen und Bummeln.

Den Naturpark hätten wir gern durchwandert, denn im größten Feuchtgebiet der Insel, mit Schilfrohr und allem drum und dran – kann man viele, teilweise auch seltene Vögel entdecken. Allerdings war die Mittagshitze des Hochsommers keine besonders einladende Zeit dafür, und wahrscheinlich hätte man früh morgens oder abends bessere Chancen, seltene Vögel zu sehen oder zu hören.

Port d’Alcúdia hat einen hübschen Hafen, eine kleine Fußgängerzone und eine überraschend hohe Dichte an Irish Pubs. Wir haben Tapas in einer kleinen, von einer Engländerin geführten Bar gegessen, die von einer Engländerin geführt wurde. Diese Ecke der Insel wird offenbar von britischen Auswanderern bevorzugt.

 

Anschließend haben wir uns auf die Suche nach den römischen Ruinen von Pollentia im heutigen Pollenҫa begeben. Dachten wir zumindest, aber dann sind wir irgendwo falsch abgebogen…