Jede Kinderkrippe braucht eine Betriebsgenehmigung, und um diese zu erhalten, muss zumindest ein grobes Konzept vorhanden sein, nach dem die Kinder betreut werden sollen. Für viele Krippen ist das Konzept auch ein Aushängeschild, und daher entsprechend ausführlich und umfangreich erarbeitet. Bereits hier lässt sich erkennen, ob die pädagogische Ausrichtung der Kinderkrippe den eigenen Vorstellungen entspricht.
Bei eltern.de findet sich eine sehr übersichtliche Zusammenstellung der acht gängigsten Kindergartenmodelle, wobei diese Modelle häufig nicht in „Reinform“ auftreten.
Der Personalschlüssel
Dieser gibt vor, wie viel Kinder auf eine Betreuungsperson kommen. Dabei sind die Eckdaten vom jeweiligen Bundesland vorgegeben, aber keinesfalls bundesweit einheitlich. Einen groben Überblick über den Personalschlüssel gibt es hier.
Grundsätzlich gilt: Je weniger Kinder pro Betreuer, umso besser. Gerade bei Krippengruppen sollte man darauf achten, dass pro Gruppe wenigstens zwei Betreuer dauerhaft eingesetzt sind, da viele Kinder gewickelt werden müssen, und bei nur einem Betreuer die Kinder dann unbeaufsichtigt wären.
Die Erzieher/Kinderpfleger
Die Betreuer sollten über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen und sich regelmäßig fortbilden.
Für Krippenkinder besonders wichtig: Es sollten immer dieselben sein. Kein großer Wechsel, kein ständiges Hin und Her, sondern die bekannten Gesichter. Bei der Eingewöhnung lernt das Kind die Betreuer als Bezugspersonen kennen, und eben diese Bezugspersonen sollten dann auch für das Kind da sein.
Wichtig ist auch, dass die Eltern und das Kind eine positive Beziehung zu den Betreuern haben, denn nur so ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich. Wer sein Kind bei Menschen „abgibt“, denen er nicht zutraut, dass sie verantwortungsvoll für das Kind sorgen, der wird vermutlich permanent von einem schlechten Gewissen geplagt – und das mag nicht einmal unberechtigt sein.
Die Räume
Zunächst sollten die Gruppenräume in verschiedene Bereiche eingeteilt sein, so dass die Kinder Rückzugsmöglichkeiten haben. Gemeinschaftsbereiche, kleine Spieloasen und – für die Kleinen besonders wichtig – Ruhezonen sollten vorhanden sein.
Wichtig: Auch die sanitären Räume ansehen. Ein Wickelbereich, Kindertoilette und Waschbecken in Kinderhöhe sollten mindestens vorhanden sein. Beim Wickeln durch Betreuungspersonen ist das Tragen von Einmalhandschuhen aus hygienischen Gründen vorgeschrieben.
Die vorhandenen Spielsachen sollten vielfältig, altersgerecht und ansprechend sein. Die Frage „Würde mein Kind mit diesen Sachen spielen wollen?“ können die meisten Eltern sehr treffsicher selbst beantworten. Spätestens bei der Eingewöhnung zeigt sich, wie interessant die Spielsachen tatsächlich sind.
An den Wänden wird oft sichtbar, was in der letzten Zeit mit den Kindern zusammen gemacht wurde. Das können Jahreszeiten- oder Geburtstagskalender, die letzten Bastelarbeiten oder Fotos von gemeinsamen Aktivitäten sein. Gähnend leere Wände mögen zwar optisch ihren Reiz haben, in der Krippe (und auch später im Kindergarten) können sie allerdings darauf hindeuten, dass mit den Kindern wenig unternommen wird.
Die Eingewöhnungszeit
Wenn das Umfeld schon mal stimmt, kommt es auf den Praxistest an.
Die Eingewöhnungszeit sollte in der Krippe länger dauern als im Kindergarten. Im Normalfall liegt die Eingewöhnungszeit in der Krippe zwischen einer Woche und zwei Monaten, wobei zwei Monate durchaus nicht ungewöhnlich sind. Eine Begleitung durch die Eltern sollte erfolgen bis das Kind die Betreuer als Bezugspersonen akzeptiert. Erst dann sind die Grundbedingungen geschaffen, dass das Kind sich in der Krippe wohl fühlt.
Über den Ablauf der Eingewöhnungszeit kann man sich vorab bereits informieren.
Das Drumherum
… sollte grundsätzlich stimmen, aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium sein.
Betreuungszeiten
Die Betreuungszeiten sind vor allem dann wichtig, wenn beide Eltern arbeiten wollen/müssen. Gerade auf dem Land sind die Kinderbetreuungszeiten oft etwas knapper gestaltet. Wenn Betreuungs- und Arbeitszeiten gar nicht in Einklang zu bringen sind, eventuell auf „Notmaßnahmen“ zurückgreifen (Betreuung durch Großeltern oder Tagesmutter) oder direkt nach einer anderen Einrichtung umsehen.
Ort
Idealerweise irgendwo in der Nähe, und nicht am anderen Ende der Stadt/des Landkreises. Lange Wege verkürzen die „freie“ Zeit, die man durch den Krippenbesuch des Kindes gewinnt, zum Teil erheblich.
Verpflegung
Es sollte sichergestellt sein, dass das Kind ausreichend zu Essen und zu Trinken bekommt, und zwar idealerweise kindergerechte Verpflegung.
Kosten
Die Kosten für einen Krippenplatz können stark unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist ein Preisgefälle zwischen Stadt und Land und zwischen West und Ost festzustellen. Gerade in Großstädten kann der Krippenplatz auch mal ein paar Hundert Euro im Monat kosten, da ist Vergleichen durchaus angesagt.
Freier Platz
Manche Krippen haben lange Wartelisten, speziell in den Großstädten. Es lohnt sich deshalb frühzeitig nach einer geeigneten Krippe zu suchen.
Vorstellungstermine finden häufig schon sechs bis neun Monate vor Beginn des Krippenjahres statt, damit die Krippe frühzeitig für das nächste Jahr planen kann, wobei sich das Kindergartenjahr meist am Schuljahr orientiert. Einige Krippen nehmen neue Kinder nur zu Beginn des Kindergartenjahres oder bestenfalls einem weiteren Termin im Jahr auf. Wer einen dieser Stichtage verpasst, muss unter Umständen ein weiteres Jahr auf einen neuen Aufnahmetermin warten.
Außerdem:
Es gibt noch zwei wichtige Faktoren, die eine Rolle spielen: Das Kind und die Eltern.
Nicht jedes Kind ist in jedem Alter bereit eine Krippe zu besuchen. Wenn die Eingewöhnung partout nicht funktioniert, kann man das Kind noch für ein halbes Jahr oder Jahr zurückstellen oder sich nach einer anderen Einrichtung umsehen, die dem Kind vielleicht mehr entgegen kommt.
Die Eltern müssen das Kind auch wirklich abgeben wollen. Kein „Probieren wir’s mal aus“, sondern machen! Wenn das Kind merkt – und Kinder sind gelegentlich sehr feinfühlig, was solche Zwischentöne angeht -, dass die Eltern nicht davon überzeugt sind das Richtige zu tun, wird es dadurch möglicherweise auch verunsichert.
Für viele Kinder ist die Krippe der erste Ort, an dem sie sich ohne elterliche oder verwandtschaftliche Aufsicht aufhalten, und deshalb fällt es Eltern oft überraschend schwer, ihr Kind den Betreuern anzuvertrauen.
Hier geht es zum zweiteiligen Erfahrungsbericht über unser erstes Krippenjahr (Teil 1) (Teil 2).



