Okt 272011
 

Das Konzept

Jede Kinderkrippe braucht eine Betriebsgenehmigung, und um diese zu erhalten, muss zumindest ein grobes Konzept vorhanden sein, nach dem die Kinder betreut werden sollen. Für viele Krippen ist das Konzept auch ein Aushängeschild, und daher entsprechend ausführlich und umfangreich erarbeitet. Bereits hier lässt sich erkennen, ob die pädagogische Ausrichtung der Kinderkrippe den eigenen Vorstellungen entspricht.

Bei eltern.de findet sich eine sehr übersichtliche Zusammenstellung der acht gängigsten Kindergartenmodelle, wobei diese Modelle häufig nicht in „Reinform“ auftreten.

 

Der Personalschlüssel

Dieser gibt vor, wie viel Kinder auf eine Betreuungsperson kommen. Dabei sind die Eckdaten vom jeweiligen Bundesland vorgegeben, aber keinesfalls bundesweit einheitlich. Einen groben Überblick über den Personalschlüssel gibt es hier.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Kinder pro Betreuer, umso besser. Gerade bei Krippengruppen sollte man darauf achten, dass pro Gruppe wenigstens zwei Betreuer dauerhaft eingesetzt sind, da viele Kinder gewickelt werden müssen, und bei nur einem Betreuer die Kinder dann unbeaufsichtigt wären.

 

Die Erzieher/Kinderpfleger

Die Betreuer sollten über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen und sich regelmäßig fortbilden.

Für Krippenkinder besonders wichtig: Es sollten immer dieselben sein. Kein großer Wechsel, kein ständiges Hin und Her, sondern die bekannten Gesichter. Bei der Eingewöhnung lernt das Kind die Betreuer als Bezugspersonen kennen, und eben diese Bezugspersonen sollten dann auch für das Kind da sein.

Wichtig ist auch, dass die Eltern und das Kind eine positive Beziehung zu den Betreuern haben, denn nur so ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich. Wer sein Kind bei Menschen „abgibt“, denen er nicht zutraut, dass sie verantwortungsvoll für das Kind sorgen, der wird vermutlich permanent von einem schlechten Gewissen geplagt – und das mag nicht einmal unberechtigt sein.

 

Die Räume

Zunächst sollten die Gruppenräume in verschiedene Bereiche eingeteilt sein, so dass die Kinder Rückzugsmöglichkeiten haben. Gemeinschaftsbereiche, kleine Spieloasen und – für die Kleinen besonders wichtig – Ruhezonen sollten vorhanden sein.

Wichtig: Auch die sanitären Räume ansehen. Ein Wickelbereich, Kindertoilette und Waschbecken in Kinderhöhe sollten mindestens vorhanden sein. Beim Wickeln durch Betreuungspersonen ist das Tragen von Einmalhandschuhen aus hygienischen Gründen vorgeschrieben.

Die vorhandenen Spielsachen sollten vielfältig, altersgerecht und ansprechend sein. Die Frage „Würde mein Kind mit diesen Sachen spielen wollen?“ können die meisten Eltern sehr treffsicher selbst beantworten. Spätestens bei der Eingewöhnung zeigt sich, wie interessant die Spielsachen tatsächlich sind.

An den Wänden wird oft sichtbar, was in der letzten Zeit mit den Kindern zusammen gemacht wurde. Das können Jahreszeiten- oder Geburtstagskalender, die letzten Bastelarbeiten oder Fotos von gemeinsamen Aktivitäten sein. Gähnend leere Wände mögen zwar optisch ihren Reiz haben, in der Krippe (und auch später im Kindergarten) können sie allerdings darauf hindeuten, dass mit den Kindern wenig unternommen wird.

 

Die Eingewöhnungszeit

Wenn  das Umfeld schon mal stimmt, kommt es auf den Praxistest an.

Die Eingewöhnungszeit sollte in der Krippe länger dauern als im Kindergarten. Im Normalfall liegt die Eingewöhnungszeit in der Krippe zwischen einer Woche und zwei Monaten, wobei zwei Monate durchaus nicht ungewöhnlich sind. Eine Begleitung durch die Eltern sollte erfolgen bis das Kind die Betreuer als Bezugspersonen akzeptiert. Erst dann sind die Grundbedingungen geschaffen, dass das Kind sich in der Krippe wohl fühlt.

Über den Ablauf der Eingewöhnungszeit kann man sich vorab bereits informieren.

 

Das Drumherum

… sollte grundsätzlich stimmen, aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium sein.

Betreuungszeiten

Die Betreuungszeiten sind vor allem dann wichtig, wenn beide Eltern arbeiten wollen/müssen.  Gerade auf dem Land sind die Kinderbetreuungszeiten oft etwas knapper gestaltet. Wenn Betreuungs- und Arbeitszeiten gar nicht in Einklang zu bringen sind, eventuell auf „Notmaßnahmen“ zurückgreifen (Betreuung durch Großeltern oder Tagesmutter) oder direkt nach einer anderen Einrichtung umsehen.

Ort

Idealerweise irgendwo in der Nähe, und nicht am anderen Ende der Stadt/des Landkreises. Lange Wege verkürzen die „freie“ Zeit, die man durch den Krippenbesuch des Kindes gewinnt, zum Teil erheblich.

Verpflegung

Es sollte sichergestellt sein, dass das Kind ausreichend zu Essen und zu Trinken bekommt, und zwar idealerweise kindergerechte Verpflegung.

Kosten

Die Kosten für einen Krippenplatz können stark unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist ein Preisgefälle zwischen Stadt und Land und zwischen West und Ost festzustellen. Gerade in Großstädten kann der Krippenplatz auch mal ein paar Hundert Euro im Monat kosten, da ist Vergleichen durchaus angesagt.

Freier Platz

Manche Krippen haben lange Wartelisten, speziell in den Großstädten. Es lohnt sich deshalb frühzeitig nach einer geeigneten Krippe zu suchen.

Vorstellungstermine finden häufig schon sechs bis neun Monate vor Beginn des Krippenjahres statt, damit die Krippe frühzeitig für das nächste Jahr planen kann, wobei sich das Kindergartenjahr meist am Schuljahr orientiert. Einige Krippen nehmen neue Kinder nur zu Beginn des Kindergartenjahres oder bestenfalls einem weiteren Termin im Jahr auf. Wer einen dieser Stichtage verpasst, muss unter Umständen ein weiteres Jahr auf einen neuen Aufnahmetermin warten.

 

Außerdem:

Es gibt noch zwei wichtige Faktoren, die eine Rolle spielen: Das Kind und die Eltern.

Nicht jedes Kind ist in jedem Alter bereit eine Krippe zu besuchen. Wenn die Eingewöhnung partout nicht funktioniert, kann man das Kind noch für ein halbes Jahr oder Jahr zurückstellen oder sich nach einer anderen Einrichtung umsehen, die dem Kind vielleicht mehr entgegen kommt.

Die Eltern müssen das Kind auch wirklich abgeben wollen. Kein „Probieren wir’s mal aus“, sondern machen! Wenn das Kind merkt – und Kinder sind gelegentlich sehr feinfühlig, was solche Zwischentöne angeht -, dass die Eltern nicht davon überzeugt sind das Richtige zu tun, wird es dadurch möglicherweise auch verunsichert.

Für viele Kinder ist die Krippe der erste Ort, an dem sie sich ohne elterliche oder verwandtschaftliche Aufsicht aufhalten, und deshalb fällt es Eltern oft überraschend schwer, ihr Kind den Betreuern anzuvertrauen.

 

 

Hier geht es zum zweiteiligen Erfahrungsbericht über unser erstes Krippenjahr (Teil 1) (Teil 2).

Okt 192011
 

Anfang verpasst? Hier geht es zu Ein Jahr Kinderkrippe – ein Erfahrungsbericht (Teil 1).

Krankheiten

Der erste Winter war schlimm. Ich hoffe nur, dass es dieses Jahr besser wird.

Wo andere Kinder sind, gibt es natürlich alle möglichen Keime und Krankheitserreger, und ein Kind, das bisher noch recht wenig Kontakt dazu hatte, ist anfälliger für alles, was da durch die Luft fliegt. Ditte hat alles mit nach Hause gebracht, und einige Krankheiten haben wir aus Solidarität gleich mitgemacht. Einige hartnäckige Magen-Darm-Sachen, die sogar robuste Kindergärtnerinnen in die Knie, bzw. ins heimische Bett zwangen, ein paar Erkältungskrankheiten in harmloser Form bis hin zur Mittelohrentzündung, Scharlach und die Hand- Fuß-Mund-Krankheit, von der wir noch nie zuvor gehört hatten.

Sowohl unser Hausarzt, als auch die Kinderärztin beruhigten uns: Das erste Krippen-, bzw. Kindergartenjahr ist schlimm, aber danach sind die Kinder abgehärtet. Und ob das mit ein, zwei oder erst mit knapp vier Jahren passiert, ist eigentlich egal.

Glücklicherweise ist Ditte geimpft, sogar gegen Windpocken und Zecken, denn sonst hätte sie eine Option auf Röteln gehabt, die gingen letzten Winter um.

 

Positives

In der Krippengruppe wurde am Vormittag gemeinsam gegessen. Die Kinder setzten sich alle gemeinsam an den Tisch, nahmen sich bei den Händen und wünschten „Piep, piep, piep, guten Appetit“. Nicht, dass mir der Spruch besonders gut gefallen hätte, noch weniger habe ich geschätzt, dass wir dieses Ritual auch zu Hause und sogar im Restaurant vollziehen mussten. Aber Ditte hat gelernt, dass Essen gemeinsam stattfindet, es einen Anfang hat und man bis zum Ende sitzen bleibt. Das macht sie auch zu Hause, und was das Ende des gemeinsamen Essens angeht, hat sie in der Krippe viel dazu gelernt, denn sitzen bleiben mochte sie vorher nur, wenn sie selbst noch aß.

Ditte hat Freunde in der Krippe gefunden, mit denen sie immer noch gern spielt und die teilweise mit ihr in die neue Regelgruppe gewechselt sind. Das Spiel in der Krippe war freier und unbeeinflusst von erwachsenen (elterlichen) Einflüssen. Zugegeben, es ist auch ein ganzes Stück weit wilder als zu Hause, aber viel Bewegung kann nicht schaden. Gemeinsam mit anderen Kindern spielen hätte sie zu Hause nicht lernen können, denn ohne Geschwister und regelmäßige Spielkameraden ist das kaum machbar.

Auch teilen und etwas gemeinsam benutzen, beispielsweise die tolle Kugelbahn oder das Parkhaus mit den vielen Autos, hätte sie ohne die Krippe nicht gelernt. Oder, dass sie sich nicht alles wegnehmen lässt und hinterher weint, sondern auch mal „nein“ sagt und ihre eigenen Interessen durchsetzt, ohne Schubsen und Rempeln, aber trotzdem bestimmt.

Sie hat gelernt, dass sie nicht immer ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt, was wir ihr zu Hause niemals vermitteln hätten können. Während Mama zu Hause nur ein Kind hat, das dann auch einen entsprechend hohen Stellenwert hat, war sie in der Krippe eine von vielen und wurde genauso behandelt wie die anderen. Nicht nur das, Ditte lernte auch Verantwortung für die Kleineren in der Gruppe zu übernehmen und sich um sie zu kümmern. Vor allem um Lena, die mit etwa eineinhalb Jahren das Küken der Gruppe war. Ditte holte Lenas Trinkflasche, wenn sie durstig war, und half ihr beim gehen lernen. Sicherlich, ein Kind mit jüngeren Geschwistern hätte das so auch gelernt, ein Einzelkind aber nicht.

In der Zeit, in der die Ditte in der Krippe war, erledigte ich die Hausarbeit, so dass ich ihr nachmittags meine volle Aufmerksamkeit schenken konnte. Zugleich hatte ich vormittags auch Zeit für mich, ungestörtes Zeitunglesen und Kaffeetrinken, wichtige Anrufe erledigen ohne Kinderstimme im Hintergrund und zerrende Händchen und mal eine halbe Stunde auf der Couch sitzen, die Beine hochgelegt, und nichts machen, außer vielleicht ein Buch lesen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass eine entspannte, ausgeglichene Mutter einem Kind viel mehr bieten kann, als eine gestresste. Zumindest ging mir das so. Wenn die Ditte in der Krippe war und ich Zeit für mich hatte, war ich danach ihr gegenüber wesentlich ruhiger und gelassener, wovon wir beide profitiert haben.

 

Negatives

Das beschränkte sich auf ein paar blaue Flecken, die sie beim wilden Spielen davon getragen hatte, eine verlorene Haarspange und einen richtig ekelhaften Fleck von grüner Farbe, der sich einfach nicht mehr aus ihrem Shirt herauswaschen lassen wollte.

 

Fazit

Wir würden die Ditte wieder in die Krippe geben, wenn möglich sogar schon mit ein oder eineinhalb Jahren, denn es hat ihr wirklich gut getan, und mir auch. Aber nicht in jede beliebige Krippe.

 

Der Weg zur passenden Krippe

Okt 172011
 

Kindergarten Schaukel Seepferd

Es ist zwar schon eine Weile her, dass die Ditte von der Krippe in die Regelkindergartengruppe wechselte, aber für einen kleinen Rückblick ist es sicherlich nicht zu spät.
Wir waren uns einig, dass die Ditte vor allem eins braucht: Kontakt zu anderen Kindern.
Kinder brauchen andere Kinder, um einige wichtige Dinge zu lernen.
Gutes Sozialverhalten beispielsweise. Freundschaften schließen, Spielzeug teilen und den eigenen Platz in einer Gruppe zu finden, lernen Kinder nicht unter Erwachsenen. Dort sind sie immer diejenigen, auf die Rücksicht genommen wird, weil sie nun mal die Kleinsten sind. Streit um Spielzeug gibt es in der Regel mit Erwachsenen auch nicht, höchstens wenn mal ein Spielzeug weggenommen wird. Und die Beziehung zwischen einer fürsorgenden Person und einem Kind ist ganz anders als eine Kinderfreundschaft, sie ist viel mehr von Vernunft geprägt und vom Erwachsenen gesteuert.
Kinder brauchen andere Kinder.
Leider konnten wir der Ditte das zu Hause nicht bieten, denn in unserer Nachbarschaft gab es kaum andere kleine Kinder (das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert) und Ditte hat keine Geschwister. Deshalb sollte Ditte in die Krippe. Am besten schon mit etwa eineinhalb Jahren, was mangels freiem Platz nicht klappte. Als Ditte zwei Jahre alt war, bekamen wir einen Platz in einer Krippengruppe des Kindergartens in unserem Dorf.

Die Eingewöhnung
Die Eingewöhnungsphase in der Krippengruppe war deutlich länger als es in „normalen“ Kindergartengruppen üblich ist. Das ist gerade für die Kleinen besonders wichtig.
„Wir müssen in der Lage sein, das Kind zu trösten. Dazu muss es uns als Bezugsperson akzeptieren“, sagte die Betreuerin, auf deren Schoß sich Ditte im Kindergarten immer noch am liebsten flüchtet, selbst wenn sie nicht mehr in ihrer Gruppe ist. Erst dann, durften wir die Ditte in der Krippe allein lassen.
Wir hatten also eine gemeinsame Eingewöhnungszeit, die mit einer Stunde begann. Nach den ersten paar Tagen durften wir den Gruppenraum verlassen und einen Kaffee auf dem roten Sofa trinken, während Ditte ohne uns in der Gruppe blieb. Glücklicherweise kam sie sehr schnell ohne uns zurecht, was vielleicht auch an Silvia lag, ihrer Lieblings-Kindergärtnerin. Wäre es nötig gewesen, dann hätten wir die Ditte mehrere Monate begleiten dürfen, solange es eben erforderlich gewesen wäre.

Der morgendliche Abschied
Morgens von Ditte verabschieden war nicht immer leicht. Es fiel uns zwar nicht schwer, sie in der Gruppe zurück zu lassen, da wir sie in guten Händen wussten, aber gelegentlich gab es Tage, da wollte sie lieber bei der Mama bleiben (ich glaube, die meisten Kinder haben manchmal so einen Mama-Tag). Wir haben festgestellt, dass sie sich leichter verabschiedet, wenn sie vom Papa in den Kindergarten gebracht wird. Das war besonders in der Anfangszeit praktisch, da ich teilweise eine halbe Stunde sitzen bleiben musste, ehe sie mich gehen ließ, während Marc sie innerhalb von fünf Minuten, samt Jacke und Schuhe ausziehen, abgeliefert hatte.
Außerdem mag es die Ditte, wenn sie beim Abschied selbst entscheiden darf. Nicht wir gehen, sondern sie schickt uns weg. Das hatten wir in einer Elternzeitschrift gelesen, ausprobiert und wegen gutem Erfolg gleich beibehalten.
Ein festes Ritual ist der Ditte auch wichtig. Sie bekommt ein Bussi auf die Wange und jeden Tag denselben Satz zu hören, nämlich dass wir sie später wieder abholen werden und ihr viel Spaß wünschen.

Weiter geht es bei ein Jahr Kinderkrippe – ein Erfahrungsbericht Teil 2

Ob Ditte Schimpfwörter im Kindergarten gelernt hat, ist hier nachzulesen.