Unser Kindergarten schließt um 14.00 Uhr. Es gibt bis dahin kein Mittagessen für die Kleinen.
Ja, so ist das auf dem Land nun mal.
Das Erstaunliche daran: Ditte gehört zu den knapp 10 % der Kinder, die für die Maximalbetreuungszeit angemeldet sind. Etwa 60 – 70 % sind für die Minimalzeit von 20 – 25 Stunden pro Woche angemeldet.
Wenn ich mich mit anderen Mamas unterhalte, dann erzählen sie mir: „Du hast es gut, du kannst arbeiten gehen. Ich würde auch gern arbeiten.“
Ich denke mir: Dann mach‘ das doch!
Aber ich weiß inzwischen genau, was dann kommt: „Aber ich kann nicht, weil…“
Meist folgt bei diesem „weil“ irgendein Argument, das mit Kindergartenöffnungszeiten und Arbeitszeiten zu tun hat.
Direkt im Anschluss: die geringe Bezahlung, der zusätzliche Stress und der liebende Mann, der so großzügig sagt: „Dann bleib doch zu Hause. Wir können uns das leisten“, statt „Das klappt schon. Wie kann ich dich unterstützen?“.
Der Kreis schließt sich mit einem: „Ich würde ja gern arbeiten, aber es geht einfach nicht.“
Vom Kindergarten aus wird jetzt eine neue Bedarfsbefragung gemacht. Welche Öffnungszeiten werden gewünscht? Soll es eine Nachmittagsgruppe geben? Oder ein Mittagessen?
Ich gebe zu, dass diese Bedarfsbefragung nicht von ungefähr kommt, sondern dass ich massiv darauf hin gearbeitet habe – ich bin deshalb sogar in den Elternbeirat eingetreten und habe da alle Eltern, einschließlich Erzieherinnen und die Kindergartenverwaltung genervt. In der Hoffnung, dass sich vielleicht etwas ändert.
Das erste Feedback habe ich schon erhalten. Von einer Mutti, die gern arbeiten würde, aber noch nicht jetzt, sondern erst im Herbst.
Klar hat sie bei der Bedarfsbefragung ihren Bedarf angegeben. Sie braucht keine Nachmittagsgruppe.
Im Herbst dann vielleicht schon, aber das weiß sie jetzt noch nicht. Und schon mal Bedarf für eine Nachmittagsgruppe anzumelden, obwohl eigentlich keiner besteht, war irgendwie nicht ihr Ding. Schließlich weiß sie heute nicht, ob sie im Herbst Arbeit bekommt.
Ich schon, ich weiß es genau:
Sie wird sich vorstellen und sie wird sagen: „Ich kann nur bis halb zwei, weil der Kindergarten um zwei schließt.“ Ihr potentieller Arbeitgeber wird sagen, dass das nicht reicht.
Sie wird sich ärgern, von ihrem liebenden Mann getröstet werden mit den Worten: „Dann bleibst du halt noch zu Hause. Wir können uns das doch leisten.“
Wir werden nächstes Jahr wieder dasselbe Gespräch führen. Über Kindergartenöffnungszeiten und Arbeitszeiten, und dass die nicht zusammen passen.
Und die Welt dreht sich im Kreis.





