Feb 172012
 

Nicht unser Auto

Sehr geehrte Zuständige,

unsere Familienkutsche hat eine Persönlichkeit. Jedes Auto hat eine – die Designer und Autozeitschriftsredakteure sprechen vom Gesicht des Autos, auf Automessen von seinem Hintern und andauernd von seinen inneren Werten.

Die Familienkutsche hat davon nicht viel, aber viel Starrsinn. Kälte zum Beispiel – Kälte mag sie nicht. Das Flüssigkristalldisplay, das die Aussentemperatur anzeigen sollte, das im Armaturenbrett eben… friert ab zwanzig unter Null ein.

Taschen auf dem Beifahrersitz in Rechtskurven sind auch so eine Sache, die der Wagen nicht abkann. “Piep-Pa-Diep”, herrscht er mich an. “Beifahrersitzgurt ist offen”, alarmiert er mich mit einer blinkenden Anzeige. Ja, ich schnalle nicht immer die Kindergartentasche unserer Kleinen an, und meine Laptoptasche auch nicht.

Der Wagen hat den formschönen Schnitt des typischen Handwerker- und Familienfahrzeugs – also viel Kofferraum, wenig sportliche Eleganz. Schlecht für’s Angeben, gut für’s Reisen mit Kind. Eben diese Kofferraumtür geht bei sanftem Bedienen (und vorsichtigem noch dazu – besonders eben in Kindernähe) ziemlich zu, aber für den Geschmack des Autos nicht zu genug. “Piep-Pa-Del-Schnarz”, “Kofferraumtür schliessen”. In anderen Worten: “Besitzer, Du hast es nicht drauf.”

Der Scheibenwischer wiederum hat ein beneidenswert freies Eigenleben – auch bei strahlendem Sonnenschein wischt er gern mal quer über die Scheibe, um eine Spur aus überraschten Fliegen zu hinterlassen. Das Geräusch des Scheibenwischers ist dabei auch putzig: “Schrapp-Uiuiuiuiuiui”. Weckt zuverlässig Kinder dreiundzwanzig Sekunden nach dem Einschlafen wieder auf.

Und das Licht erst, oh das Licht! Selbstständig macht die künstliche Intelligenz der Kutsche das Licht nur sehr zögernd an. Vermutlich ist ihr klar, dass ihre Recheneinheit von genau der Batterie gespeist wird, die auch die Umgebung heller machen könnte.
Wenn ich das Licht dann andrehe, um doch irgendetwas zu sehen, und den Wagen dann irgendwo abstelle, dann wird das Auto leicht trotzig: “Schnarps-Schradel-Pieps”, ich habe wohl vergessen, das Licht wieder auszudrehen.

Könnte man das nicht anders lösen? Könnte nicht

  • die Temperaturanzeige temperaturunempfindlich sein?
  • der Sicherheitsgurt auf dem Beifahrersitz etwas weniger maulig sein? Fahrer sehen doch, ob der Beifahrer sich anschnallt.
  • die Scheibenwischer einen zuverlässigen Regensensor bekommen? Ich habe das Gefühl, unserer verlässt sich auf den Wetterbericht.
  • die Lampe selbstständig ausgehen, wenn das Auto nicht fährt? Und einen Schalter haben, den ich betätigen kann, wenn ich ganz dringend möchte, dass mein Auto in meiner Abwesenheit die Nacht zum Tag macht.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

 

Ein Autofahrer

Feb 142012
 

Zu früh aus dem Haus, schnell die Kleine in den Kindergarten, Abschiedsbussi und dann mit achtzig durch den Schneefall gleiten, einziges klares Ziel vor Augen der Feierabend. Aber der noch in weiter Ferne, eher so wie die Alpen, die man in dem Mistwetter sowieso nicht mal von dem Hügel da vorn aus sehen würde.

Flügel wenn der Wagen hätte, Flügel, um dem Runterziehenden etwas entgegenzusetzen. Um hochzufliegen, wo die Sonne scheint, wo die Wassertropfen nicht in der Luft gefrieren, wo es wärmer zu sein hat. Wärmer also, macht erzählerisch ja auch mehr her, als zu sagen Richtung Sonne wird’s immer kälter und dann hört die Atmosphäre auf und der Verbrennungsmotor hustet traurig.

In der Februarkälte. Der da vorn könnte aber auch mal die Rücklichter anmachen, was soll das eigentlich, will der, dass ich ihm hinten reinfahre in seinen Porsche Cayenne, ein Auto wie Mantarochen, nur weniger fischig und überhaupt war der Manta doch von Opel. Woher weiß eigentlich der Scheibenwischer, dass es jetzt mehr schneit, und wieso schaltet er automatisch auf mehr Gedröhn um, vielleicht mal Radio anmachen. Nachrichten, Nachrichten, Interview, Call-in-Show, Madonna, ah, das hier vielleicht, eine Gitarre, Musik immerhin.

Durch die Wolken gleiten, die glänzen wie Vanillepudding in der Werbung, die durchbrochen werden von den Alpen da vorn, von hier oben aus klar zu sehen, dahinter schimmert das Meer, zwinkert uns zu und verspricht Urlaub.

Verkehrsmeldungen, auf den meisten Straßen auch heute wieder Autos unterwegs, irgendwo liegt ein Schrank. Da vorn abbiegen, Stau vor der Brücke.

Mit allen zusammen einfach davonfliegen, in den Sand legen, lachen, spielen: Fangen oder Frisbee oder Sandburgenbauen. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fallen zusammen, alle lachen, die Seevögel machen freundliche möwige Geräusche und ich lächle friedlich meiner

Mitverkehrsteilnehmerin zu, die hinter mir hupt und vor mir ist die Ampel grün und mein Vordermann schon zwei Meter weiter vorn, im Radio kommt ein Lied mit viel zu viel Hall auf der dünnen Stimme, und der Arbeitstag hat wieder mehr Stunden als die Freizeit. Muss das denn sein, und wann ist endlich Freitag, und weshalb hat mein Zweckauto

nicht Flügel und einen Düsenantrieb und braust dahin über die gelben Cumulus-Wolken wie ein Sandspeeder auf Tatooine ohne Droiden, nur mit meiner Familie. Den Lottoschein mit dem Hauptgewinn in der Tasche, das Brieflos laminiert im Geldbeutel und eine Kopie des Dankesschreibens an die Aktion Glücksspirale im Handschuhfach des Speeders, ihre Haare wehen im Wind, sie lächelt mir zu und sagt, dass alles in Ordnung ist, und ich sehe im Rücksitz unsere Kleine sicher angeschnallt, lachend, weil es zum Meer geht.

Linksabbiegen, an den morgendlich leer gähnenden Häusern vorbei, die ungeputzten Fenster zur Straße hin nicht beleuchtet, da sind die Schlafzimmer, die Rollläden sind noch unten, wieso schlafen Leute eigentlich mit dem Ohr an der Einfallstraße und essen mit Blick auf den Bach, ob es da an dem Bach wohl Fliegen gibt.

Fliegen, bis wir da sind, und wir steigen aus, sehen uns an, nehmen uns in den Arm. Wir ziehen die Schuhe aus, die Socken, krempeln die Hosen hoch und jubeln mit den Möwen um die Wette. Vorne an der Strandbar ist noch etwas Betrieb, der Strand, wir riechen das Meer und hören die Wellen und sind da.

Und aus dem Auto steigen, zusperren. Die Zentralverriegelung macht leise beruhigende Knirschgeräusche, der Arbeitstag fängt an, ist eigentlich nett, aber nicht golden oder glänzend.

Aug 182011
 

 

Hier gibt es vielleicht die ein oder andere neue Spielidee:

http://www.geo.de/GEO/reisen/reisetipps/52941.html?p=1

 

Die Spielideen sind in drei Kategorien eingeteilt: Erste Hilfe, Klassiker und Denk- und Sprachspiele.

Wobei unter „Erste Hilfe“ Spielideen zu finden sind, für die man einfache Hilfsmittel braucht, die man vielleicht nicht unbedingt im Auto dabei hat, beispielsweise Pfeifenstopfer, die aber klein und leicht zu beschaffen sind.

Bei den Klassikern sind unter anderem Stadt-Land-Fluss und „Ich packe meinen Koffer“, aber auch Spiele mit lustigen Variationen beschrieben. Ich sage nur „Spaghetti“.

Während bei „Erste Hilfe“ und den Klassikern auch für Kleinere Anregungen zu finden sind, sind die Denk- und Sprachspiele eher für Schulkinder geeignet.

 

Einige der Ideen werden wir sicherlich auf die nächste längere Autofahrt mitnehmen.

Vielleicht seht ihr uns dann winken. Wäre nett, wenn ihr zurückwinken würdet.

 

(Bild gefunden bei Mario Spann, flickr)

Aug 072011
 

Damit keiner sagen kann, er oder sie sei nicht gewarnt worden…

1. Getränke mit Kohlensäure und/oder viel Säure

Absolut tödlich in diesem Zusammenhang: Die Apfelschorle in der praktischen Sportflasche. Die Flasche ist toll, weil sie die Kleckerei auf ein Minimum reduziert. Bei leicht empfindlichem Magen schüttelt jede Bodenwelle den kleinen Kindermagen samt sauer-prickelndem Inhalt so lange auf, bis die Mischung explosionsartig wieder hoch kommt. Zusammen mit dem restlichen Mageninhalt. Das ist in etwa derselbe Effekt wie wenn man eine Flasche mit einem kohlesäurehaltigen Getränk schüttelt und anschließend aufschraubt. Die Videos mit dem Mentos-in-Cola-Experiment hat wohl jeder schon einmal gesehen.

 

2. Gummibärchenparade

Die Gummibärchen werden in Reih und Glied, womöglich noch farblich sortiert auf dem Kindertischchen, bzw. dem Rückfangkissen aufgebaut. Geht gut bis zur nächsten Kurve. Da sieht ein trauriges Kind zu wie seine sorgfältig aufgestellten Gummibärchen in Zeitlupentempo erst kippen, dann langsam umfallen und schließlich direkt in den Fußraum purzeln. Erst werden die Kinderarme lang, es folgt die Erkenntnis, dass die Arme trotz strecken nicht bis zu den Gummibärchen reichen, und dann der meist klägliche Hilfeschrei nach Mama oder Papa. Diese ertragen die lautstarke Klage oder haben mit Glück noch Ersatzgummibärchen in der Tüte.

 

3. Schokolade

Ja, noch nicht mal Schokoladenkekse sind eine gute Idee im Auto, vor allem dann, wenn man nicht direkt daneben sitzt. Zunächst geht es noch gut. Das Kind hat Hunger oder zumindest Lust auf Schokolade, isst schnell und kleckert wenig. Dann lässt das Tempo langsam nach und die Schokolade wird in der Kinderhand weich und verflüssigt sich und, wenn man zu lange nicht nach hinten sieht, färbt sie den Kindersitz oder auch die Kinderkleidung in topmodernes schokobraun. Ganz zu schweigen davon, dass Hände und Gesicht aussehen, als wäre man eben auf der Rückfahrt von einem etwa zehnjährigen Urlaub in Zentralafrika. Und sollte der Kindersitz und die Kleidung bis dahin tatsächlich noch keine braunen Flecken abbekommen haben, wischt sich das Kind spätestens jetzt die Hände an dem einzigen noch sauberen Kleidungsstück ab.

 

 

Aug 012011
 

(Ausschnitt aus einem Bild von evoo 73, flickr)


Wir wollen gen Süden Fahren und rechnen mit einer reinen Fahrzeit von etwa sechs Stunden. Daher haben wir beschlossen früh loszufahren. Nein, nicht nur früh, sondern noch früher. In der Hoffnung, dass Ditte dann schläft, während wir durch die Nacht brausen. Also stehen wir um halb drei auf und wecken die Kleine kurz bevor wir losfahren.

Normalerweise liegt sie um diese Zeit im Bett und schläft, aber nun sitzt sie im Auto und kommentiert die Welt.

„Ui, es ist dunkel draußen.“

„Sterne.“

„Wir fahren in Auto.“

„Sonne ist auch dunkel.“ „Das ist nicht die Sonne, sondern der Mond.“ „Moooond.“

An Schlaf denkt sie gar nicht. Viel zu aufregend ist die Autofahrt mitten in der Nacht, viel zu sehen und überhaupt ist alles anders als sonst.

Zugegeben, in den ersten Stunden, bis etwa sechs Uhr, ist sie vergleichsweise still im Auto. Offenbar ist sie nachts nicht in der Stimmung zu singen. Ab sechs Uhr früh ist sie übermüdet, knatschig und ihrer Meinung nach lang genug Auto gefahren. Wir sind noch nicht mal in Italien. Ditte schläft nicht, noch nicht mal fünf Minuten.

Als wir nach vielen, vielen Pausen und zahlreichen mehr oder weniger erfolgreichen Kinderbespaßungsversuchen am Ziel ankommen, ist das Zimmer natürlich noch nicht fertig. Wahrscheinlich liegt in unserem Bett noch jemand anderer oder die vorherigen Gäste sind gerade dabei ihre Koffer zu packen.

Wir schlagen also die Zeit tot bis wir unser Zimmer beziehen können. Zwei Stunden später sinken wir erschöpft und müde auf das Hotelbett. Ditte auch. Ein Funke Hoffnung keimt in uns auf, dass die Kleine vielleicht ein Mittagsschläfchen macht. Aber schon hören wir Bettfedern quietschen. Ditte springt auf dem Kinderbett herum.

Dann krabbelt sie zwischen uns und kuschelt auf ihre wilde, ungestüme Art mit uns. An Schlaf, Ruhe oder auch nur Erholung ist gar nicht mehr zu denken. Dabei könnte ich ein wenig Schlaf ganz gut vertragen. Mein bleiches Spiegelbild schaut mir mit rot geäderten Augen entgegen. Ja, es ist Urlaub.

Nachtrag:

Ditte hat an diesem Tag lang ausgehalten. Sie hat auf eine Mittagspause verzichtet und abends sogar das Dessert gegessen. Sie war von drei Uhr morgens bis halb zehn abends ohne Pause wach. Reisen scheint für Kinder unglaublich spannend zu sein und Adrenalin hält gut wach.

Nochmal so früh weg fahren: NIE WIEDER!!!

 

 

Die Geschichte über eine nicht allzu große Liebe: Ditte und das Auto

Mehr dumme Ideen für Autofahrten mit Kind: 3 Anfängerfehler bei der Kinderverpflegung im Auto

Aug 012011
 


Das Problem

Ditte fährt ungern Auto. Naja, eigentlich nicht. Wenn die Autofahrt nicht länger als 30 Minuten dauert, mag sie es gern. Sie sitzt dann in ihrem Babysitz, tritt ihren Vordermann kräftig in den Rücken und singt dabei erfundene Kinderlieder, die befürchten lassen, dass ihr keine große Karriere als Komponistin bevorsteht und ihr Gesangstalent mit Glück noch für den Kinderchor reicht. Da muss der Chorleiter aber schon ein sehr großes Herz und schlechte Ohren haben.

Die Vorgehensweise

Sind die ersten 30 Minuten fröhlicher und lautstarker Unterhaltung erst mal vorbei, beginnt Phase 2. Der Gesang wird leiser und mit gelegentlichen Seufzern unterlegt, bis er schließlich ganz verstummt. Eigentlich gut, dachten wir zunächst. Bestimmt schläft sie bald ein. Weit gefehlt! Ditte schläft nicht im Auto, sie sammelt nur ihre Kräfte für Phase 3, die Endphase.

Diese besteht aus einer Mischung nörgeligen Quengelns, dem Wunsch, man möge doch wieder Heim fahren und lautem Weinen, Schreien und Kreischen. „Mama, ich will heimfahren!“ oder „Raus! Ich muss raus!“, zusammen mit hektischem Zerren am Türriegel. (Danke, liebe Autohersteller, für die Kindersicherung an den Fahrzeugtüren. Ohne diese Erfindung hätten wir mit Sicherheit unsere Kleine irgendwo auf der Autobahn verloren).

Die Steigerung

Ihr neuster Trick: „Mama, ich muss Pipi.“ Nach den ersten zwei Pausen, bei denen sie sich ein paar Tröpfchen abpresst, wissen wir Bescheid und reagieren nicht mehr darauf. Aber unsere Kleine ist ja schlau: „Bah (=großes Geschäft) kommt gleich!“. Das beschert ihr wieder zwei kurze Pausen, die jeweils mit dem Satz „Kommt kein Bah“ beendet werden.

Diese Phase beginnt etwa nach einer Stunde Fahrzeit und endet, wenn das Fahrziel erreicht ist. Bei Urlaubsfahrten kann das ganz schön lang werden.

Autofahren mit Ditte ist ganz schön nervig. Bei jeder längeren Fahrt überlegen wir deshalb, ob wir unbedingt das Auto nehmen müssen, ob wir das Kind nicht auch zu Hause lassen könnten und ob wir uns den Lärm und den Ärger überhaupt antun wollen. Wir entwickeln Strategien, die uns und der Ditte das Reisen im Auto erträglicher machen sollen.

 

(Bild gefunden bei hill.josh, flickr)

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