Siri für Windows im Test – ein Erfahrungsbericht
Ausgangslage: Neuer Computer und eine Idee
“Computer!”
“Ja, Meister?”
“Ich will Kartoffelsalat machen. Wie geht das?”
“Kein Problem, Meister. Nimmst Du Kartoffeln, nimmst Du Salat, fertig.”
“Danke, braver Computer. Ah, und erinnere mich daran, nachher noch den Basilikum umzutopfen, der sieht so unglücklich aus.”
Computer mit Mikrofon.
Windows Vista oder Windows 7.
Die Software “Windows Speech Recognition Macros” war schnell heruntergeladen und installiert – auf der Chip-Homepage steht wie. In der Systemsteuerung noch die richtige Aufnahmequelle auswählen, und schon konnte ich unter “erleichterte Bedienung”-”Sprachsteuerung” die Gespräche mit meinem Küchencomputer anfangen.
Zunächst ein paar Sätze zum Warmwerden. Okay, der Rechner – mein Windows-Siri – will meine Stimme kennenlernen. Sehr schön, das kennt man ja auch von Hunden; frühsprachliche Prägung war also gefragt.
Nach zwanzig Minuten, in denen ich nur nach Anleitung auf den Küchencomputer beziehungsweise den Windows-Assistenten zum Einrichten der Spracherkennung eingequatscht hatte, war es so weit – der Bedienung per Sprachschnittstelle stand nichts mehr im Weg.
Der Realitäts-Check
“Computer!”
Okay, das verstand er noch nicht. Wie war nochmal der Satz? Ah ja.
“Spracherkennung aktivieren.”
Das war ihm erstmal ziemlich egal.
“Spracherkennung aktivieren.”
Unbeeindruckt und sehr deutlich schweigsam starrte der Küchencomputer von der Wand zurück.
“Sprach-er-kenn-ung-ak-tieee-vieee-rääään.”
Jetzt ging’s los, ein vorher graues Schaltflächlein färbte sich grün. Ich würde losreden, wir würden interagieren. Mein dienstbarer Küchengeist und ich, auf gleicher Wellenlänge.
“Startmenü öffnen.”
Keine Reaktion.
“Start”
Ah, das Startmenu ging auf. Super.
“Mozilla Firefox starten.”
Hey klasse, ein Browserfenster.
“Rezept für Kartoffelsalat.”
Erstmal keine Reaktion.
“Ach Mist”. Falsche Zeile. Aber “Mist” hat der Computer gehört, er schreibt “Steam” in die Google-Suchzeile.
“Jetzt hör mal zu, so wird das nichts mit uns. Zuhören sollst du, nicht mich veralbern.”
Drohungen beeindruckten ihn wenig. Ich wurde in meiner langsam aufkommenden schlechten Laune etwas gemein…
“Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitscherten zwei Schwalben.”
Lange nichts. Ziemlich lange. Ich holte mir einen Kaffe, um über die Sache mit der Spracherkennung nochmal in Ruhe nachzudenken. Die Kaffeemaschine knirschte, mahlte den Kaffee, plätscherte Wasser drauf – alles irgendwie recht wortlos. Fiel mir jetzt erst auf – sie hätte ja auch etwas nettes sagen können. Tat sie nicht.
Ein zufriedenes “Bing” unterbrach mich im Kaffeeumrühren. “Zwischen zwei Zwetschgenzweigen Zeitung zwei Schwalben”. Okay, “Zeitung.” Aber immerhin.
Ein erstes Fazit
Für das Diktieren und das Angeben ist die Spracherkennungssoftware sicher geeignet – aber für das Arbeiten in der Küche bei Weitem noch nicht. Wenn man die Siri-Besitzer fragt, dann sagen die ja im Prinzip fast dasselbe: “Ein tolles Spielzeug, aber eben nicht mehr.” Siri am iPhone versteht nicht genug, und das nicht schnell genug. Ähnlich geht es gerade dem Küchenrechner. Schade eigentlich – zu gern hätte ich mir Kochtipps vom stylischen Rechner an der Wand geben lassen. Aber dafür extra das Headset aufsetzen? Besonders nah an das Gerät hingehen? Ertragen, dass mir der Küchenrechner lauter unpassende Goole-Suchergebnisse vorliest? Nein, so ist der zuhörende Assistent in der Küche noch nicht realisierbar.
Der Küchencomputer ist aber auch ohne Ohren ein schickes Ding. Mal sehen, was er als nächstes lernen muss… Vielleicht das Android-Betriebssystem.
Vielen Dank für das Bild, Lisa Brewster.
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