Ohrenschmerzen im Flugzeug – eine pragmatische Lösung für Kleinkinder?

Kleine Kinder bekommen im Flugzeug häufig Ohrenschmerzen. Das ist einfach so, denn das Ohr ist unser Gleichgewichtsorgan, das auch auf Höhenunterschiede reagiert, und kleine Kinder können den Druck, der sich beim Steig- oder Sinkflug im Innenohr aufbaut noch nicht selbständig ausgleichen. Viele Kinder schreien im Flugzeug, weil ihnen plötzlich die Ohren weh tun.

Wir haben vieles versucht, um Ditte davor zu bewahren. Manches erfolgreich, anderes vergeblich. Geklappt hat es bisher nie ganz. Denn beim Landeanflug waren wir etwas nachlässig, was die Getränke- oder Nasentropfengabe angeht, und Ditte reagiert sensibel auf druckbedingte Ohrenschmerzen.

Beim Rückflug von unserem letzten Urlaub habe ich aber festgestellt, dass wir eine Sache bisher nicht gemacht haben. Da konnte ich am Flughafen folgende Szene beobachten:

Eine Mutter mit zwei Kindern, die ungefähr so alt sind wie Ditte, sitzt auf der Bank in der Abflughalle. Etwa zu der Zeit, zu der wir Ditte ihre Nasentropfen geben, nimmt diese Mutter ein Medikament aus der Tasche. Ich erkenne die orange-silberne Packung  und die Dosierspritze, mit der die Mutter den Kindern die gewünschte Dosis in den Mund spritzt. Wir haben das Medikament auch zu Hause, in der weniger gefragten Geschmacksvariante Orange, denn Erdbeere ist in unserer Apotheke so gut wie immer aus. Vielleicht mag der Apotheker keine Erdbeeren.

Genau, werdet ihr jetzt sagen, das kenne ich, das haben wir auch zu Hause. Ein Schmerz- und Fiebersaft für Kinder.

Seit ich die Szene in der Abflughalle beobachtet habe, frage ich mich, ob ich Ditte vor dem nächsten Flug auch einfach eine Dosis Schmerzmittel in den Mund drücken soll,  vor der Landung sicherheitshalber nochmal. Aber irgendetwas in mir sträubt sich dagegen. Ich finde es nicht richtig, meinem Kind ohne Not ein Schmerzmittel zu verabreichen.

Natürlich ist es überaus praktisch. Einmal an das Mittel gedacht, schon herrscht Ruhe während des gesamten Flugs. Wir geben Nasentropfen, besorgen etwas zu Trinken, geben Kaugummi oder Kaubonbons und verordnen unserem Kind regelmäßiges Gähnen. Nur um bei der Landung den lauen Erfolg zu genießen, dass unser Kind zwar nicht schreit wie am Spieß, aber dennoch Ohrenschmerzen hat.

Sollten wir ihm die nicht einfach ersparen? Wenn wir es schon könnten?

Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich meinem Kind diese Schmerzen zumute?

Immerhin wäre es ein Leichtes, Ditte vor Start und Landung ein wenig Medizin zu geben. Selbst das Orangenzeug mag sie lieber als Nasentropfen. Es würde Ditte nicht nur den ganzen Gähn-, Trink- und Kaubonbon-Zirkus während des Flugs ersparen, sondern auch die Ohrenschmerzen. Und die haben sie bei unserer letzten Landung so sehr gequält, dass sie verkündet hat, dass sie nur noch mit dem Zug in Urlaub fahren will, und nie wieder fliegen.

Ist es leichtfertig, einem Kind einfach so eine Portion Schmerzmittel oder gar mehrere zu verabreichen? Was sagen denn die Ärzte dazu?

Denn immerhin sind Schmerzmittel Medikamente, die man nicht einfach so einnehmen sollte. Gerade bei einem Kind – finde ich zumindest – sollte man mit der Medikamentengabe vorsichtig sein und nicht einfach grundlos dem Kind eine Dröhnung verpassen.

Oder sind Ohrenschmerzen, die das Kind vielleicht künftig haben könnte, ein Grund für Schmerzmittel? Vielleicht sehe ich die Sache ja zu kritisch? Vielleicht sollte ich meine moralischen und medizinischen Bedenken über Bord werfen und die Sache einfach ein wenig lockerer sehen?

Wie seht ihr das?

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