Sep 262011
 

Mittagsschlaf bei einem Baby – oder auch nicht?

Die Ditte schläft nicht, zumindest mittags. Und das schon seit sie etwa eineinhalb Jahre alt ist.

Das mochte sie nicht mehr, weil sie wohl das Gefühl hatte, etwas zu verpassen. Da konnte man sie ins Bett stecken und sicher sein, dass nach spätestens zwei Minuten das große Nörgeln begann.

„Mama, Mama, aussa.“

Wenn das nicht wirkte, folgten das Rütteln an den Bettstäben, verbunden mit jämmerlichem Wimmern, und schließlich der Zorn. Der Zorn war laut und endete meist mit irgendeinem Aua, und der Schmerz dann noch lauter als der Zorn. Und spätestens dann war ich nicht mehr in der Lage, die Störgeräusche aus dem Kinderzimmer zu ignorieren, und brach das leidige Mittagsschlafexperiment ab.

Die Schlafmenge ist entscheidend

Ditte schläft auch so nachts genug, denn sie geht früh zu Bett, meist vor sieben Uhr.

Die Krippe war aber dann doch manchmal etwas anstrengender. Die neue Kindergartengruppe ist das gelegentlich auch. So sehr, dass sie nach dem Mittagessen eine Pause brauchte.

Die Mittagspause: Stille Stunde

Wir haben uns dann auf etwas geeinigt, das wir „stille Stunde“ nennen.

Das Konzept ist einfach: Ditte geht in ihr Zimmer und ich habe Zeit, in Ruhe zu lesen oder einfach mal die Beine hoch zu legen.

Meist ist die stille Stunde weder eine Stunde, sondern gern mal viel kürzer, noch ist sie besonders still. An manchen Tagen ist die stille Stunde sogar ausgesprochen laut.

Das Ganze hat verschiedene Vorteile: Ich habe ein wenig freie Zeit. Ditte, die ein ausgesprochenes Gewohnheitstier ist – wie vermutlich die meisten Kinder in ihrem Alter – hat ein festes Ritual, eingebaut  in ihren gewohnten Tagesablauf. Wenn sie mal müde ist, setzt sie sich mit ihren Stofftieren und ein paar Büchern ins Bett und liest ihnen vor und, wenn sie ganz müde ist, schläft sie darüber ein. Völlig ohne Zwang und Bevormundung durch die Mama.

Die Schattenseite der stillen Stunde: Nun, sie ist ja nicht immer wirklich still, und dann passieren in Dittes Zimmer Dinge, die ich vermutlich verbieten würde, wenn ich davon wüsste. Gerade anfangs war es unglaublich schwer, nicht bei jedem lauteren Geräusch nachzusehen, ob etwas Schlimmes passiert ist. Und an einigen Tagen hat das Aufräumen des Zimmers nach der stillen Stunde länger gedauert, als die stille Stunde selbst.

Für diesen Fall haben wir eine zusätzliche Vereinbarung getroffen: Die stille Stunde endet erst, wenn wieder alles Spielzeug an seinem Platz ist.

Was kann während der Mittagspause eines Kleinkinds schiefgehen?

Etwas wirklich Schlimmes ist in der stillen Stunde noch nie passiert, aber Kinderphantasien galoppieren wild, wenn man ihnen freien Lauf lässt. Deshalb habe ich unsere spannendsten stille-Stunde-Erlebnisse zusammengestellt:

Ditte kletterte über das Sofa und bleibt zwischen Sofa und Wand stecken.

Ditte wollte Ratte wickeln. Dazu gehörte erst mal Popo wischen, und zwar mit allen Einmaltüchern, die sie finden konnte, also auch den zwei Packungen aus dem Schrank. Danach musste noch eine neue Windel dran. Weil die erste nicht passte, probierte Ditte die nächste Windel, und die nächste… und der geneigte Leser mag ahnen, wozu das geführt hat. Nach der stillen Stunde fanden wir einen gewaltigen Berg Feuchttücher am Boden verteilt, zerknüllte Windeln dazwischen und die arme Ratte war nass von der Schnauze bis zum Schwanz und duftete frisch nach Kamille.

Zur letzten großen Katastrophe gibt es sogar Bilder.
Leider war ich daran nicht ganz unschuldig, denn Ditte hatte mich gebeten, ihr eine Kiste aus dem obersten Schrankfach zu geben, an das sie nicht heran kommt. Ich habe den Inhalt flüchtig durchgesehen. Dabei ist mir ein kleines, unschuldiges Päckchen Kinderschminke entgangen, das wir für Fasching gekauft hatten. Ein rot geschminktes Kind trat uns nach der stillen Stunde gegenüber, und in freundlichen Regenbogen-Farben hatte sie auch den Boden ihres Zimmers verziert. Die Farben waren zum Glück fettlöslich und wegen des kräftigen Schrubbens sind wir auch relativ sicher, dass die Ditte davon künftig die Finger lässt.

 

 

 

 

 

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  7 Antworten zu “Stille Stunde und andere Katastrophen”

Kommentare (4) Pingbacks (3)
  1. Oh, diese stille Stunde kommt mir enorm bekannt vor! (vor allem dass sie de facto weder still ist noch eine Stunde dauert, und die Variante “Mama, ich habe die Möbel rot gemalt” hatten wir auch schon ;-) ) … Bei uns heißt das “Mittagsruhe”, und vor allem die beiden Großen lassen sich in dieser Zeit sehr interessante (Achtung: Euphemismus) Dinge einfallen. Die Kleine schläft (noch), sonst ist sie nachmittags unausstehlich – dafür geht sie nie vor 21 Uhr ins Bett *seufz* … Mir fällt es auch manchmal schwer zu antizipieren, was Kinder sich in ihrem Zimmer unbeaufsichtigt so alles ausdenken können …
    Patricia veröffentlichte kürzlich So viel Sonne

  2. Haha, solche Ideen hatte ich als Kind auch immer!
    Ich weiß noch, wie ich regelmäßig zu Oma bin und sie um Verbände gebeten habe, weil meine Kuscheltiere sich “verletzt” hatten. Irgendwann gab es kein Tierchen mehr ohne einen Verband am Arm/Bein/an der Pfote.
    Und ich hatte auch so eine nette Aktion, in der ich meiner Barbie (vorweg: Ich wollte nie eine, da ich meine Autos über alles geliebt habe und Puppen / Barbies nicht sonderlich leiden konnte) die “Spitzen” geschnitten habe, was in einer ungleichmäßigen Kurzhaarfrisur geendet hat. Die Haare lagen (wie beim Friseur eben) überall am Boden zerstreut. Herrlich!
    Manche Sachen prägen einen. Die beiden “Erlebnisse” auch, denn sonst hätte ich es schon längst vergessen (:
    Nici veröffentlichte kürzlich Manhattan-HAUL

    • *kichert* Wenn man die Barbie-Haare zu kurz schneidet, stehen sie komisch ab. Woher ich das weiß? Ähm, kann mich nicht mehr sooo genau erinnern *pfeif*
      Andrea veröffentlichte kürzlich Darum.

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