Mit Kind und Mietwagen unterwegs im Norden von Mallorca (Teil 3)
Am nächsten Tag fuhren wir direkt nach dem Frühstück nach Artà, einem kleinen Ort, in der Nordostecke Mallorcas, den wir schon einige Male passiert hatten. Unsere Reiseleiterin im Hotel hatte uns empfohlen, Artà an diesem Vormittag zu besuchen, da in der Festung wöchentlich eine Falkenshow stattfinden sollte, bei der die Falkner historische Gewänder trügen.
Dass die Ditte gern Vögel fliegen sieht, wissen wir aus Südtirol, wo wir eine sehr schöne Vogelschau besucht haben, allerdings ohne historische Gewänder, dafür aber vor Schloss Tirol. Da war sie zwar noch sehr, sehr klein, konnte den Vögeln aber mit den Augen folgen, und wenn sie dicht über den Zuschauerbereich hinweg glitten, war das selbst für unser kleines Baby eine Sensation.
Wir suchten uns einen Parkplatz, der etwas weiter vom Berg entfernt lag, da wir den Wegweiser verpasst und uns dann in dem reichlich unübersichtlichen Einbahnstraßengewirr von Artà so festgefahren hatten, dass wir zu Fuß gehen für die bessere Alternative hielten.
Wir folgten der Fußgängerzone, die mit hübschen Läden gesäumt war, in Richtung des Berges, der das Ortsbild dominiert. Eine Treppe führt den Berg hinauf bis vor die Tore der mittelalterlichen Festungsanlage, in deren Mauerring eine Walfahrtskirche liegt.
Wir waren – abgesehen von einem Jogger mit Hund – die einzigen Besucher dort oben. Von oben hatten wir einen wunderbaren Blick über die Landschaft und über Artà, die Ditte kletterte die Stufen zur Festungsmauer hinauf, und so störte es uns zunächst wenig, dass außer uns weder Touristen, noch Falkner in historischen Gewändern kamen.
Als sich nach einiger Zeit immer noch nichts tat, fragten wir in einem Café neben der Walfahrtskirche nach, wann denn die Falkenschau beginnen würde. Die Dame in dem Café hatte von einer Falkenschau in Artà noch nie gehört. Da war sie wohl nicht die einzige, denn auch die Falkner hatten von dieser speziellen Falkenschau noch nie zuvor gehört, und wohl auch keine anderen Touristen, außer jenen, die ebenfalls von unserer freundlichen, aber irgendwie ortsunkundigen Reiseleiterin über dieses besondere touristische Highlight informiert worden waren.
Meine persönliche Lehre daraus: Trau nie einem Reiseleiter vor Ort.
Aber auch ohne mittelalterliche Falkenschau lohnte sich unser Besuch in Artà. Der Blick von der Festung aus war in jedem Fall sehenswert. Da Artà nicht direkt am Meer liegt, ist es weit weniger von Massentourismus geplagt, als die Ferienorte am Strand, und die Bebauung daher eher kleinstädtisch-inseltypisch. Was wohl auch vielen deutschen Auswanderern gefallen hat, denn diese sind in Artà in großer Zahl anzutreffen.
Wir gönnten uns einen Café con leche und der Kleinen einen Saft vor einem gemütlichen Café in der Fußgängerzone, in dem mehrere Auswanderer an verschiedenen Tischen ihren Vormittagscafé tranken, ehe sie wieder in ihre Modeboutiquen, Dekorationsläden und Immobilienvermittlungen zurückkehrten. Sogar Mitbringsel haben wir in Artà gefunden, wobei ich gestehen muss, dass wir eher auf der praktischen Seite sind, was Mitbringsel angeht. Denn Dekoratives sammelt sich im Lauf der Zeit ohnehin so vieles an, dass man gar nicht mehr weiß, wohin damit, zumal es schwer ist, den entsprechenden Geschmack zu treffen. Wir haben uns deshalb für Gewürzsalze und Marmeladen mit Feigen- und Zitronengeschmack entschieden, die auf der Insel hergestellt wurden.
Anschließend fuhren wir weiter zur Ermita de Betlem, einem Einsiedlerkloster, dessen ursprüngliches Gebäude ein Stall gewesen sein soll. Das Kloster liegt in einem einsamen Gebirgszug etwa neun Kilometer nordöstlich von Artà und ist nicht besonders sehenswert. Dafür ist die Anfahrt absolut spektakulär.
Sie erfordert allerdings einen idealerweise nicht allzu großen Mietwagen, einen unerschrockenen Fahrer und den Mut bei Gegenverkehr auch mal ein paar Meter zurück zu setzen. Während sich die Straße, die ihren Mittelstreifen ausschließlich zur Zierde trug, höher auf das Massiv wand, konnten wir weite Teile des Festlands erblicken und, nachdem wir den höchsten Punkt überfahren hatten, folgten wir den noch steileren Kurven hinab in Richtung Meer, wo die Ermita auf halbem Weg hinunter am Hang sitzt. Der Blick war absolut beeindruckend. Die kargen Steine, das azurblaue Meer und die Straße, die den steil abfallenden Felsen hinab kletterte.
Anfang verpasst? Hier geht es zu:
Mit Kind und Mietwagen unterwegs im Norden von Mallorca (Teil 1)
Mit Kind und Mietwagen unterwegs im Norden von Mallorca (Teil 2)
Und hier ist die schöne Übersicht:
Ähnliche Artikel:
