Jan 102012
 

Wenn die Tage kurz sind, es draußen kalt ist und womöglich sogar regnet oder schneit – so wie jetzt -, dann setzte ich mich gern mit ein paar Reiseprospekten auf das Sofa oder suche im Internet nach schönen Hotels, im sonnigen Süden natürlich. Hübsch soll es sein, in Strandnähe und kinderfreundlich.
Aber was ist eigentlich kinderfreundlich?
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht und bin zu dem Ergebnis gekommen: Ich weiß es nicht.
„Kinderfreundlich“ ist ein schönes Markenzeichen geworden, ein Aushängeschild, das man sich wie einen Orden anheften kann, ohne dass irgendjemand weiß, was darunter zu verstehen ist.
Angefangen habe ich beim Spielplatz. Ja, so einen sollte es schon haben, das kinderfreundliche Hotel. Gepflegt sollte er sein und mit ungefährlichen Spielgeräten ausgestattet. Vielleicht noch irgendwo abseits in einem abgegrenzten Bereich, wo die Kinder die anderen Hotelgäste nicht so stören.
Moment mal…
Es mag zwar kinderfreundlich sein, einen eigenen Kinderbereich anzubieten, aber die Kinder wegzusperren, damit andere Gäste nicht durch Kinderlärm belästigt werden…
Ist das kinderfreundlich?
Ein wenig erinnert mich das an die Familienabteils der Deutschen Bahn. „Schlecht ausgestattet“, „überfüllt“ und „völlig verdreckt“ waren die Meinungen, die wir darüber gehört haben. Wenn die Kinder dort in sauberer Umgebung auch auf längeren Fahrten kindgerechte Unterhaltung und Ruhemöglichkeiten finden würden, dann wäre das kinderfreundlich. Aber sie einfach von den übrigen Fahrgästen wegzusperren, damit die ungestört Telefonate erledigen können oder was der moderne Bahnreisende sonst noch so macht. Ich weiß ja nicht…
Eine ganze eigene Hotelsparte wurde extra für Familien mit Kindern ins Leben gerufen. Familienhotels. Einige bieten Babysittingservice, während Mama und Papa zwischen Rosenblättern in einer Badewanne floaten und zu sanfter klassischer Musik ein Gläschen Prosecco schlürfen. Andere Bogenschießen, Englischkurse, den täglichen Pausenclown – ja, richtig, mit übergroßen Schuhe und Farbe im Gesicht – und sogar Yoga für Kinder.
Sicherlich, ein wenig Entspannung ohne Kind, während das Kind mit Altersgenossen irgendwo fröhlich – und gut beaufsichtigt – herumtobt, wäre schon was Feines. Aber ist das alles denn nötig?
Oder anders gefragt: Bin ich bereit, Tonnen an Zusatzangeboten, die wir möglicherweise nicht einmal nutzen werden, zu bezahlen? Denn im Übernachtungspreis ist das ja bereits drin. Wie viel Kinderfreundlichkeit brauchen wir denn? Muss es so viel sein oder reicht ein bisschen weniger nicht auch schon?
Und dann habe ich da noch einen schönen Blogartikel drüben bei Beautiful Venditti im Kopf, der schon ein wenig zurück liegt. Dort ging es um Urlaubserfahrungen in Italien. Die Italiener kommen meist völlig ohne Kindermenü und –unterhaltungsprogramm aus, sind aber trotzdem kinderfreundlich. „Lass sie doch, sie sind Kinder also mach dir keinen Stress“
Die wunderschöne Essenz aus dem Artikel: Kinderfreundlichkeit ist Einstellungssache. Fand ich toll.
Aber was ich von einem kinderfreundlichen Hotel erwarte, weiß ich immer noch nicht. Wahrscheinlich habe ich meine eigene Einstellung zum Wort „kinderfreundlich“ noch nicht gefunden.

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  9 Antworten zu “Was ist eigentlich “kinderfreundlich”?”

Kommentare (6) Pingbacks (3)
  1. Das Thema “Kinderfreundlich” ist sehr spannend…
    Wenn ich an “Kinderfreundlichkeit” denke muss ich an IKEA denken! Will jetzt gar keine Werbung dafür machen, aber dort kann man sich mit Kindern sehr lange aufhalten. Kindermenü, Spielsachen, unzählige Wickelräume, Spielplätze also da muss ich schon sagen: Prädikat ” Kinderfreundlich”

    • Oh ja, ich kann mich noch daran erinnern, als Ditte traurig vor dem Kinderland stand und nicht rein durfte, weil sie noch keine drei Jahre alt war. Und es gibt immer ausreichend Kinderstühle im Restaurant, sogar am Wochenende.

  2. Hallo Ihr Drei,

    ja, das ist so eine Sache. Wir hatten gute Erfahrung mit einem Kinderhotel gemacht – zwar nicht im sonnigen Süden – aber entspannend für alle. Und ansonsten suchen wir eine Ferienwohnung oder bezahlbares -haus in Strandnähe – am besten nicht nur Haupturlaubszeit. Aber das sieht jeder anders. Auf alle Fälle sollte man selbst versuchen, entspannt zu bleiben, dann landet die Entspannung auch ganz automatisch beim Kind.

    Viele Grüße

    Sven

  3. Baden-Württemberg ist echt Kinderfreundlich – Rentner die dich und dein Kinderwagen anrempeln – sich beschweren das man ihnen zuviel Platz denen Wegnimmt. Bei Wohnungssuche wird man erst gefragt ob man Kinder hat und dass man lieber Tiere hätte haben sollen – die Wohnung wegen Kind doch nicht kriegt!
    Kindertagesstätten und Kindergärten kosten Doppelt soviel.
    Kinderfreundlich ist selten in unseren modernen Gesellschaft!

  4. Wenn sich ein Hotel einfach nur kinderfreundlich nennt, würde ich schon skeptisch werden, vielleicht bedeutet es einfach nur, dass dort keine Kinder gegessen werden.

    Das Gvadalpin Marbella behauptet es nicht, hat aber einen Spielplatz mit Betreuung und viel Spielzeug.

    In Deutschland kann ich Dir den RoWi (Romantischer Winkel) in Bad Sachsa vorbehaltlos empfehlen. Ein eigener Kinderbereich mit Spielzeug für Windelträger bis z Billiardtisch und Playstation versteht sich ebenso wie ausreichend Betreuungspersonal. Aber die Freundlichkeit und Selbstverständlichkeit mit der jeder Einzelne vom Personal auf die Kids und Ihre Bedürfnisse eingeht lässt sich nicht im Katalog beschreiben oder im Arbeitsvertrag festlegen, Kinder sind hier wirklich willkommen.

    Deine Bahn-Erlebnisse kann ich nebenbei nicht bestätigen.

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