Feb 142012
 

Zu früh aus dem Haus, schnell die Kleine in den Kindergarten, Abschiedsbussi und dann mit achtzig durch den Schneefall gleiten, einziges klares Ziel vor Augen der Feierabend. Aber der noch in weiter Ferne, eher so wie die Alpen, die man in dem Mistwetter sowieso nicht mal von dem Hügel da vorn aus sehen würde.

Flügel wenn der Wagen hätte, Flügel, um dem Runterziehenden etwas entgegenzusetzen. Um hochzufliegen, wo die Sonne scheint, wo die Wassertropfen nicht in der Luft gefrieren, wo es wärmer zu sein hat. Wärmer also, macht erzählerisch ja auch mehr her, als zu sagen Richtung Sonne wird’s immer kälter und dann hört die Atmosphäre auf und der Verbrennungsmotor hustet traurig.

In der Februarkälte. Der da vorn könnte aber auch mal die Rücklichter anmachen, was soll das eigentlich, will der, dass ich ihm hinten reinfahre in seinen Porsche Cayenne, ein Auto wie Mantarochen, nur weniger fischig und überhaupt war der Manta doch von Opel. Woher weiß eigentlich der Scheibenwischer, dass es jetzt mehr schneit, und wieso schaltet er automatisch auf mehr Gedröhn um, vielleicht mal Radio anmachen. Nachrichten, Nachrichten, Interview, Call-in-Show, Madonna, ah, das hier vielleicht, eine Gitarre, Musik immerhin.

Durch die Wolken gleiten, die glänzen wie Vanillepudding in der Werbung, die durchbrochen werden von den Alpen da vorn, von hier oben aus klar zu sehen, dahinter schimmert das Meer, zwinkert uns zu und verspricht Urlaub.

Verkehrsmeldungen, auf den meisten Straßen auch heute wieder Autos unterwegs, irgendwo liegt ein Schrank. Da vorn abbiegen, Stau vor der Brücke.

Mit allen zusammen einfach davonfliegen, in den Sand legen, lachen, spielen: Fangen oder Frisbee oder Sandburgenbauen. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fallen zusammen, alle lachen, die Seevögel machen freundliche möwige Geräusche und ich lächle friedlich meiner

Mitverkehrsteilnehmerin zu, die hinter mir hupt und vor mir ist die Ampel grün und mein Vordermann schon zwei Meter weiter vorn, im Radio kommt ein Lied mit viel zu viel Hall auf der dünnen Stimme, und der Arbeitstag hat wieder mehr Stunden als die Freizeit. Muss das denn sein, und wann ist endlich Freitag, und weshalb hat mein Zweckauto

nicht Flügel und einen Düsenantrieb und braust dahin über die gelben Cumulus-Wolken wie ein Sandspeeder auf Tatooine ohne Droiden, nur mit meiner Familie. Den Lottoschein mit dem Hauptgewinn in der Tasche, das Brieflos laminiert im Geldbeutel und eine Kopie des Dankesschreibens an die Aktion Glücksspirale im Handschuhfach des Speeders, ihre Haare wehen im Wind, sie lächelt mir zu und sagt, dass alles in Ordnung ist, und ich sehe im Rücksitz unsere Kleine sicher angeschnallt, lachend, weil es zum Meer geht.

Linksabbiegen, an den morgendlich leer gähnenden Häusern vorbei, die ungeputzten Fenster zur Straße hin nicht beleuchtet, da sind die Schlafzimmer, die Rollläden sind noch unten, wieso schlafen Leute eigentlich mit dem Ohr an der Einfallstraße und essen mit Blick auf den Bach, ob es da an dem Bach wohl Fliegen gibt.

Fliegen, bis wir da sind, und wir steigen aus, sehen uns an, nehmen uns in den Arm. Wir ziehen die Schuhe aus, die Socken, krempeln die Hosen hoch und jubeln mit den Möwen um die Wette. Vorne an der Strandbar ist noch etwas Betrieb, der Strand, wir riechen das Meer und hören die Wellen und sind da.

Und aus dem Auto steigen, zusperren. Die Zentralverriegelung macht leise beruhigende Knirschgeräusche, der Arbeitstag fängt an, ist eigentlich nett, aber nicht golden oder glänzend.

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  Eine Antwort zu “Flügel”

Kommentare (1)
  1. Wenn ihr das mal in die Tat umsetzen wollt, meldet Euch, das lässt sich einrichten, nur mit Düsenantrieb kann ich nicht dienen :-)

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