Feb 162012
 

Das Telefon übt eine seltsame Anziehungskraft auf kleine Kinder, ja sogar schon auf Babys aus.

Ich habe nie wirklich verstanden, warum. Vielleicht ist es die Faszination, dass in so einem kleinen Gerät alle bekannten Menschen der kleinen Babywelt Platz finden. Oder, dass Mama oder Papa manchmal richtig lange mit dem Kästchen sprechen. Vielleicht liegt es auch an der Art, wie das Telefon ans Ohr gehalten wird, an den Tasten oder am Klingelton?

Jedenfalls gibt es vermutlich kein Kleinkind, das nicht mindestens ein Mal heimlich telefoniert hat, vorausgesetzt seine Eltern besitzen ein Telefon. Ich kann mich an einige – zugegeben seltene – Telefonate erinnern, in denen mein Gesprächspartner nur mit „Bububu“ oder „Dadada“ antwortete.

Aber kaum ist Oma oder Opa am Telefon und wünscht mit dem Nachwuchs zu sprechen, schon fehlen dem Kind die Worte. Ditte bringt es am Telefon nur bis zu einem schüchternen Nicken oder einer Ein-Wort-Antwort. Das ist für den Gesprächsverlauf nicht sonderlich förderlich, und erinnert eher an das Verhör eines Verdächtigen, der am liebsten seine Aussage verweigern würde, aber sich das nicht zu sagen traut.

Ich bin für ein paar Tage beruflich unterwegs, und versuche mich mit Ditte am Telefon zu unterhalten. Das ist eine relativ einseitige Sache. Irgendwie ist es ihr nicht klar, dass sie jetzt mit mir genauso reden könnte, als wäre ich zu Hause. Sie gibt den Stockfisch, zumindest am Telefon.

„Ditte, wie war’s denn im Kindergarten?

„…“

„Hast du da schön gespielt?“

„…“

„Mit wem hast du denn gespielt?“

„…“

Haben dich Oma und Opa vom Kindergarten abgeholt?“

„…“

„Was gab es denn da zum Mittagessen?“

„…“

„Magst du mir den Papa wieder geben?“

Dann werden alle meine Fragen beantwortet – vom Papa.

 

Bestimmt ändert sich das Telefonverhalten noch.

Aber momentan ist Telefonieren für Ditte noch eine Art Mogelpackung. Mit jemand zu sprechen, der nicht da ist, ist nicht ganz geheuer. In ihrer Welt gehört zu einem Menschen mehr als nur eine Stimme, und sie ist noch nicht so weit, dass sie auf eine körperliche Präsenz ihres Gesprächspartners verzichten kann.

 

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder waren Eure Kinder von Anfang an Telefonprofis?

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  11 Antworten zu “Ditte und das Telefon”

Kommentare (11)
  1. Absolut die gleiche Erfahrung.

  2. Meine beiden Söhne telefonieren für ihr Leben gern. Insbesondere mit meinen Eltern werden lange Telefonate geführt, das ist wirklich teilweise unglaublich.

    Mir ist auch wichtig, dass die Kids, wenn sie Telefonate annehmen, sich vernünftig melden und nicht nur “Hallooooooo” in das Telefon blöken.

  3. Absolut! :D

    Sie ahmen mein Telefonverhalten nach, Mimik, Gestik und Kommunikationsgeräusche (“Mmh, ja, aha, oh!”), aber sobald Oma oder Papa im Telefon stecken, vertrocknen die Worte. Sohni bekommt noch ein stimmloses “Hallo” heraus, aber sonst… Süß war aber, dass letztes Jahr der große Sohn (inzwischen ein eifriger Telefonierer) der Oma zeigen wollte, wo welche Blumenpötte standen. Irgendwie hatte er noch nicht begriffen, dass es rein um die Stimme geht.
    Seit einer Woche skypen wir mit der Oma und ich muss sagen, die Zwillinge sind total erschüttert… Und ich dachte, das wäre einfacher…
    Frohes Reisen,
    Mara :)

  4. Jetzt bin ich doch beruhigt, dass Dittes Verhalten am Telefon nicht so ungewöhnlich ist. Womöglich wird sie in ein paar Jahren das Telefon mit Dauergesprächen blockieren, und ich einen Blogbeitrag schreiben “Hilfe, mein Kind telefoniert zu viel!” ;-)

  5. Das kommt mir so bekannt vor. Paul möchte immer Tschüss sagen und besteht darauf, dass man ihm das Telefon ans Ohr hält. Anstatt Tschüss zu sagen grinst er nur verschmitzt und macht “hmm”. Anschließend fängt er an zu kichern und sagt: “Paul hat Düss gesagt”. ;)

  6. Zoe ist gesprächiger am Telefon, aber nur mit Lautsprecher. Leider reagiert ihre Schwester absolut allergisch auf Telefone mit Freisprechfunktion.

    • Freisprechfunktion ist ja im Prinzip ne gute Idee, führt bei uns aber zu nachhaltig verwirrten Gesprächspartnern… Alle reden durcheinander.

  7. Was am Besten funktioniert, ist skypen – das wird schon geradezu gesellig und familiär so. Aber da schreiben wir sicher nochmal mehr dazu :-)

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