Bilderbuchinsel

Ditte ist unglücklich. Sie darf nicht den gesamten Tag im Kids Club verbringen, sondern wird von ihren Rabeneltern zum Sightseeing gezwungen.

Aber Unglück und Zwang sind vergessen, sobald wir die AIDA verlassen. Denn heute liegen wir vor der wunderschönen griechischen Insel Santorin und die hat keinen Hafen, wo Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Deshalb werden wir mit Tenderbooten ans Land gebracht. Ein Abenteuer, denn zum ersten Mal seit Beginn der Reise bemerken wir, dass es auf dem Meer tatsächlich Wellen gibt. Das kleine Boot schaukelt ein wenig, Ditte findet es toll.

Noch besser ist die Fahrt mit der Gondel nach Thira, der Inselhauptstadt, deren weißen Häuser über den schwarzen Felsen thronen, die Fundamente wie Krallen in den Vulkanstein geschlagen. Balkone hängen in schwindelerregender Höhe direkt über dem Abgrund. Von der Gondel aus sehen wir den Weg, der in vielen Serpentinen und mit noch mehr Stufen den Berg hinauf klettert. Esel schleppen Touristen die Stufen hinauf, ein Spaß für jung und alt, außer für den Esel.

Wir haben uns gegen den Weg entschieden. Zum einen, weil uns die Esel leidtun, zum anderen, weil es dort barbarisch nach Eselsmist stinkt. Außerdem hat uns unser Kapitän Boris Becker – ja, der heißt wirklich so, hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem Tennisspieler – berichtet, dass Eselsmist rutschig ist, und sich bei beinahe jedem Aufenthalt in Santorin ein Passagier ein Bein auf diesem Weg gebrochen hat.

Wir genießen den Blick in die Bucht, wandern durch die Gassen mit den vielen Touristenläden. Es gibt Schmuck, Kleidung und Unmengen an Stoffeseln. Und natürlich besuchen wir auch ein Cafe, von dessen Balkon ich lieber nicht hinunter fallen möchte. Ditte freut sich über eine Riesenportion Eis, wir uns über den Ausblick. Obwohl die Sonne scheint, wird uns nach einer Weile zu kalt, denn den kühlen Wind, der die Steilküste entlang pfeift, haben wir unterschätzt. Abends ist es hier wahrscheinlich richtig unangenehm.

Für uns wäre Santorin kein geeignetes Ziel für einen längeren Urlaub, so schön die Mittelmeerinsel auch ist.
Denn sie ist winzig, spärlich bewachsen und verfügt nur über wenige Strände, alle mit schwarzem Vulkanstein. Dazu noch der kalte Wind. Aber den einen Tag, den wir hier verbringen, genießen wir voll und ganz. Wir wandern zwischen weiß gekalkten Häusern, mit Blick auf das postkartenblaue Meer, die Vulkaninseln, die ihre dunklen Rücken aus dem Wasser strecken, und die Schiffe, die wie kleine Insekten in der Bucht herumschwirren.

Als das Schiff ausläuft, ist Ditte endlich im Kids Club, und wir stehen an der Reling. Die Abendsonne lässt Thira in strahlendem Weiß leuchten, während wir uns von Santorin entfernen.

… und hier ist die Übersichtsseite: Kreuzfahrt mit Kind

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