Betreuungsgeld – eine Meinung

Ja, wir haben eine Meinung. Zu vielen Themen.

Wir erwarten nicht, dass jeder, der unseren Blog liest, unsere Meinung teilt. Aber wir schreiben den Blog auch, um unsere Meinung gelegentlich mal laut zu sagen.

Ironie und Sarkasmus sind dabei Mittel, zu denen wir gern greifen. Auch mal bei einem Thema, das man durchaus ernsthaft und seriös diskutieren kann.

Das Betreuungsgeld ist eins dieser Themen. Wir haben hier einen polemisch-sarkastischen gewählt. Our blog, our flavour.

Das hat sicherlich nicht jedem Leser geschmeckt.

Aber wir können auch ernsthaft.

 

Jeder Lebensentwurf, der für eine Familie funktioniert, hat seine Berechtigung. Und jede Familie sollte die Möglichkeit haben, ihr Familienleben so zu gestalten wie sie möchte. Ganz egal, ob ein Alleinverdiener, zwei Vollzeit arbeitende Eltern oder irgendetwas dazwischen.

Unser persönliches Ideal wäre fifty-fifty. Wir haben uns gemeinsam für ein Kind entschieden und wollen die Verantwortung für die Erziehung teilen. Das schließt für uns ein, dass wir alles andere auch aufteilen. Die Verantwortung für den Haushalt und die fürs Geldverdienen.

Aber da hat jeder seine eigene Auffassung, und jede ist richtig, solange diejenigen, die direkt betroffen sind, auch damit leben können. Mit „direkt betroffen“ meine ich nicht die Nachbarn, Verwandten oder die nächsten auf der Kindergartenwarteliste, sondern den Partner und das Kind, bzw. die Kinder. Zusammenleben ist schließlich immer ein Kompromiss, und im Idealfall findet sich eine Lösung, die allen gefällt.

Dabei spielen leider noch mehr Faktoren eine Rolle, auf die wir nicht unbedingt Einfluss haben. Beispielsweise das Vorhandensein von familienfreundlichen Arbeitsplätzen, Arbeitszeitmodelle und nicht zuletzt Betreuungsplätzen fürs Kind.

Damit jede Familie die Freiheit hat, nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben, braucht es eben mehr als pures Einverständnis innerhalb der Familie. Es braucht auch eine tragfähige Gesellschaftsstruktur, die den gewählten Lebensentwurf stützt.

Dass einer – meist die Frau – zu Hause bleibt, Kinder betreut und den Haushalt führt, war das traditionelle Familienmodell. Das wurde häufig auch mangels Alternativen durchgeführt. Erst die Einführung von Kinderbetreuung im Kindergarten, der Kindertagesstätte oder Kinderkrippe machen alternative Lebensplanungen, abweichend vom traditionellen Rollen- und Familienbild möglich. Das wissen wir auch zu schätzen.

Aber…

Aber diese Möglichkeiten sollten allen Eltern von unter dreijährigen Kindern zur Verfügung stehen, nicht nur dem Prozentsatz, für den die Krippenplätze reichen.

Unabhängig vom Wohnort, denn oft ist es noch Glückssache, ob in der Nähe eine Krippe vorhanden ist, die über ausreichend Plätze verfügt.

Unabhängig davon, ob man sich rechtzeitig in Wartelisten eingetragen hat.

Und auch unabhängig vom Geld. Denn gerade Kleinkindbetreuung ist häufig kein günstiges Vergnügen. Monatliche Krippengebühren von 300,- € und darüber für einen Halbtagsplatz sind keine Seltenheit, zumindest in vielen Großstädten nicht. Der Staat trägt zwar den überwiegenden Teil der Kosten für den Betreuungsplatz, es ist aber dennoch so viel Geld, dass es sich nicht jede Familie leisten kann.

 

Es gibt also auf der einen Seite ein begrenztes Angebot, das weder für alle Familien verfügbar, noch bezahlbar ist.

Auf der anderen Seite gibt es 100,-, bzw. 150,- €. Diese Option gibt es immer.

Ist das echte Wahlfreiheit?

 

Ist es noch Wahlfreiheit, wenn man auf der einen Seite 300,- € zahlen muss, während man auf der anderen Seite 150,- € bekommt? Für die Familien, bei denen das Geld knapper ist, stellt sich die Frage vermutlich nicht.

Dann stellt sich die Frage, ob sich Arbeit finanziell noch lohnt. Bei einer geringfügigen Beschäftigung lohnt sich das nicht mehr, im Gegenteil. Da ist es sogar günstiger zu Hause zu bleiben und das Betreuungsgeld zu „wählen“. Aber ist es echte Wahlfreiheit, wenn die eigene Arbeit so wenig wertgeschätzt wird, dass es besser ist, nicht zu arbeiten?

(Die logische, aber polemische Frage, die sich dann stellt: Brauchen Frauen, ein Kind bekommen wollen, überhaupt einen Schulabschluss? Eine Berufsausbildung? Ein Studium?)

 

Weshalb wird eigentlich das Betreuungsgeld nur an Eltern von Kindern unter drei Jahren bezahlt? Warum nicht darüber? Immerhin leisten die Eltern, die über dreijährige Kinder erziehen, auch einen wichtigen Erziehungsbeitrag zu Hause.

Was aber unterscheidet diese Erziehungsleistung von der am unter dreijährigen Kind? Weshalb ist der Kindergarten plötzlich ab dem vierten Lebensjahr so wichtig und wertvoll, dass in vielen Orten/Bundesstaaten Kindergärten völlig kostenfrei sind?

Wer hat entschieden, dass diese Grenze genau bei drei Jahren ist? Und wieso werden alle Kinder in ein und denselben Topf geworfen, obwohl alle Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung unterschiedlich sind?

Ist das gerecht?

 

Bis drei Jahre gibt es ein eingeschränktes, teilweise kaum bezahlbares Angebot an Betreuungsplätzen auf der einen Seite und das Geldgeschenk auf der anderen Seite.

Ab drei Jahre gibt es einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der manchmal sogar komplett kostenlos ist, und auf der anderen Seite gar nichts.

Ist das logisch?

 

Wir finden, dass das Betreuungsgeld allen Eltern von Kindern unter drei Jahren zur Verfügung steht, schafft keine Wahlmöglichkeit. Denn es steht einem knappen und teuren Gut gegenüber.

Solange nicht jedem (mindestens) zwei gleichwertige Optionen offen stehen, besteht keine Entscheidungsfreiheit.

Entscheidungsfreiheit wird nicht durch das Betreuungsgeld geschaffen, sondern durch eine flächendeckende, erschwingliche Versorgung mit guten Betreuungsangeboten.

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