Auf AIDA! (Teil 2)
Für den späten Abend ist die Seenotrettungsübung angekündigt, die einzige Pflichtveranstaltung an Bord. Auf unseren bisherigen Reisen fand die ganz entspannt am zweiten Tag statt, mal vormittags, mal nachmittags.
Jetzt ist sie verpflichtend noch vor dem Auslaufen. In unserem Fall irgendwann zwischen acht und neun Uhr.
Eine schwere Entscheidung, ob wir Ditte vorher schlafen legen oder bis zur Übung wach halten. Wir bringen sie auf eigenen Wunsch ins Bett. Allerdings mit der Folge, dass wir sie beim Alarm, den sie trotz ohrenbetäubender Lautstärke verschläft, aus dem Bett zerren, sie anziehen (weil mittlerweile etwas kühl draußen) und mit Rettungsweste verpacken müssen.
Ditte dankt es uns mit Tränen und anhaltendem Weinen. Was ich nur allzu gut verstehen kann, denn ich würde mich auch beschweren, wenn mich jemand mitten in der Nacht aufweckt und mir komische Sachen anzieht. Wegen der dicken Rettungswesten konnten wir sie nicht mal richtig auf den Arm nehmen, geschweige denn trösten. Die Weste durften wir ihr schließlich wieder abnehmen, nachdem der vorschriftsgemäße Sitz bestätigt war. Bisher war die Seenotrettungsübung nur lästige Pflicht, aber mit Kind und um diese Uhrzeit ist sie eine Katastrophe. Schlimmer könnte es für Ditte nicht sein, wenn das Schiff tatsächlich sinken sollte.
Bald nach der Seenotrettungsübung laufen wir aus. Ditte bekommt davon nichts mehr mit, schläft in der Kabine. Der Mond steht am Himmel, die Lichter von Mestre reihen sich aneinander wie eine Perlenkette und werfen ihr Spiegelbild auf das Wasser der Lagune. Wir haben einen schönen Platz auf dem Außendeck gefunden, stoßen mit einem Glas Sekt an. Begleitet von Enyas Orinoco flow setzt sich die AIDA aura langsam in Bewegung.
Die Zeremonie des ersten Auslaufens, das Lied, die Stimmung, wie habe ich das vermisst!
Ich gebe zu, dass ich vermutlich hochgradig Kreuzfahrt-süchtig bin.
Noch dürfen die Schiffe den Canale della Giudecca und den Canale di San Marco passieren. Venedig ist auf Spielzeuggröße geschrumpft, selbst der Dogenpalast, an dem wir vorbei fahren, die Straßenlaternen tauchen die Häuser in ein warmes Licht und die Stadt zu unseren Füßen ist eine ganz andere, stiller und überschaubarer als die, die wir tagsüber kennen gelernt haben, aber dennoch unglaublich eindrucksvoll. Wir bleiben an Deck stehen, bis die Häuser zu winzigen Lichtpunkten geschrumpft sind.
Auf dem Pooldeck startet die Auslauf-Show, der Clubmanager und der Entertainment-Chef begrüßen die Gäste, das Showensemble tritt zum ersten Mal auf. Lasershow und Pooldeckparty finden ohne uns statt. Das leise Brummen der Schiffmotoren und die sanften, kaum fühlbaren Schiffsbewegungen wiegen uns in den Schlaf.
… und hier ist die Übersichtsseite: Kreuzfahrt mit Kind
